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Viel Zeit, viele Themen und Iron Blogging

In der letzten Woche habe ich mit wirklich vielen Menschen über Blogging gesprochen. Das Feedback zum Artikel Starte (d)ein Blog – heute! war unerwartet zahlreich und durchgehend positiv.

Wie angekündigt, habe ich hier im Novatrend Blog eine Blogroll in der Seitenleiste erstellt. Ich habe ein Plugin für eine RSS Blogroll gefunden, die nicht die Links zu den einzelnen Blogs anzeigt, sondern die letzten Artikel der verlinkten Blogs. Neben dem Titel eines jedes Blog Posts steht der Name des Autor und das Datum, pro Blog sind maximal vier Einträge gelistet.

  • Wenn du dort auch erscheinen willst, schreibe bitte unter dem Starte (d)ein Blog – heute! Artikel die URL deines Blogs als Kommentar.
  • Falls du ein noch besseres Plugin kennst, schreibe bitte ebenfalls einen Kommentar.

Feedback

Vielen Bloggern sprach ich mit dem Artikel aus der Seele, viele „noch nicht“ Blogger gaben mir grundsätzlich recht, aber … die drei häufigsten Sätze, warum sie nicht bloggen, waren:

Ich habe keine Zeit!
Worüber soll ich denn schreiben?
Das halte ich nicht durch!

Interessanterweise kam sehr selten

Ich kann das nicht!
Ich will das nicht!
Ich bin mit der Technik überfordert!

Alle, wirklich alle Menschen, mit denen ich geredet haben, finden bloggen irgendwie gut, würden prinzipiell auch gern bloggen wollen und haben keine Angst vor der Technik! Gerade der letzte Punkt freut mich doch sehr. Vor 10 Jahren war es noch eine Herausforderung ein eigenes Blog auf seinem eigenen Webspace zu betreiben. Heute geht das alles sehr „fluffig“.

Jetzt sage ich mal ein paar Worte zu den drei Gründen, kein Blog zu schreiben.

Ich habe keine Zeit!

Da ich keine aussagefähigen Zahlen über die Schweiz gefunden habe, hier mal ein Blick nach Deutschland (Durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer ausgewählter Medien in Deutschland in den Jahren 2014 und 2015. Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/165834/umfrage/taegliche-nutzungsdauer-von-medien-in-deutschland/).

Hier die Zahlen für 2015

  • TV – 259 Minuten
  • Radio – 115 Minuten
  • Internet – 53 Minuten
  • Games – 35 Minuten
  • Buch – 28 Minuten
  • Print – 31 Minuten
  • Sonstige – 33 Minuten

Das sind 9 Stunden und 14 Minuten – täglich!

Ich wiederhole:

9 Stunden und 14 Minuten …

Selbst, wenn du nun ein paar von diesen Dingen parallel machen kannst, Umfragen so eine Sache sind und in der Schweiz eh alles anders ist – so wie es aussieht hast du Zeit ein Blog zu betreiben, du müßtest deine Zeit nur anders verbringen 😉

Worüber soll ich denn schreiben?

Denke mal an deine letzten sieben Tage.

  • Was war das Beste, das Interessanteste, das Schönste, das Bewegendste, das Lustigste, das Traurigste, das Schrecklichste?
  • Was hat dich geärgert, was gefreut?
  • Hast du mit anderen Menschen gesprochen? Worüber?
  • Hast du etwas gelernt oder anderen etwas beigebracht?
  • Hast du etwas gekauft oder verkauft?
  • Hast du eine gute Tat vollbracht?
  • Hast du einen Ausflug gemacht? Wo warst du? Wie ist es da?

Nimm einfach eins dieser Themen und schreibe darüber.
Wenn du erst mal angefangen hast, kommen dir bestimmt noch viele andere Ideen.

Das halte ich nicht durch!

Den Satz lasse ich gelten, ich hatte auch Probleme damit, regelmässig etwas zu bloggen. Das ist so ein wenig wie Sport treiben oder Gewicht abnehmen. Oft ist es leichter wenn andere dabei mitmachen.

Genau das ist die Idee von Iron Blogging.

Jeder Teilnehmer bloggt mindestens einmal die Woche. Wenn kein Blogpost geschrieben wird, wirft er oder Sie eine gewisse Menge Geld, beispielsweise 5 CHF/Euro/US$, in eine gemeinsame Kasse. Wenn etwas Geld in der Kasse ist, treffen sich alle Blogger und verspeisen und vertrinken die Kasse.

In Deutschland ist die Iron Blogger Zentrale unter http://ironblogger.de erreichbar. Thomas Renger legt gern lokale Subdomains an, beispielweise http://stuttgart.ironblogger.de. Die Seiten werden automatisiert aktualisiert, so dass es keinen Pflegeaufwand für die Teilnehmer gibt.

Vor drei Jahren wurde die Iron Blogging Idee auf der re:publica vorgestellt. Stilecht ging es in erster Linie um Blogs und Bier 🙂

re:publica 2013: Blogs und Bier? Das lob‘ ich mir!

Und in der Schweiz?

In der Schweiz gibt es auch Iron Blogger (http://ironblogger.ch). Leider ist die Seite aber leer und der Text

Die Ironblogger Schweiz pausieren.

erscheint. Vielleicht können wir das ja wiederbeleben 🙂

Und wenn man nicht lokal zusammen ist?

Das Problem hatte ich neulich. Seit 25.05.2015 bin ich Mitglied der Iron Blogger Gruppe Rhein-Neckar. Ich wurde auf die Idee durch Tweets über eine Session bei einem BarCamp aufmerksam und wollte mitmachen, obwohl ich keinen Bezug zum Rhein-Neckar Gebiet habe. Nach einem Jahr war ich der einzige verbliebene Teilnehmer der Gruppe und überlegte, wie es weitergeht. Bei einem Besuch in Uganda (#CMSSUMMIT16, Kampala, Uganda) lernte ich viele WordPress Nutzer kennen und startete zusammen mit ein paar Freunden eine eigene Iron Blogger Gruppe die für jeden offen ist, unabhängig vom Wohnort. Vom Erlös wollen wir sinnvolle Projekte fördern. Wer Schulden macht, kann sie durch „Gute Taten und darüber bloggen“ wieder reduzieren. Thomas Renger half mir bei der Einrichtung der Site. Die Scripte zum Aktualisieren sind auf Github verfügbar. Das ist beispielsweise die Version, die in Stuttgart läuft (https://github.com/steinhobelgruen/iron-blogger).

Du kannst dich also einer bestehende Iron Blogger Gruppe anschliessen, oder eine neue Iron Blogger Gruppe gründen!

Technik

An dieser Stelle kommt nun auch noch Webhosting bei Novatrend ins Spiel (was für ein Blog Post 🙂 ), denn die Scripte sind in Python geschrieben und man benötigt eine selbst gehostete WordPress Installation. Einmal pro Woche wird per Cron-Job eine Zusammenfassung der Iron Blogger Posts über die XML-RPC Schnittstelle der WordPress Installation gepostet und ich war natürlich neugierig, wie das alles so funktioniert.

Auf ibcoco.net läuft es momentan so, dass:

  • alle Teilnehmerblogs zusätzlich per Feed eingelesen werden und dann auf den Original Eintrag verlinken,
  • wenn jemand etwas auf seinem eigenen Blog veröffentlich, tweeted der ibcoco Twitter den Titel des Posts, die URL zum Quellblog und den Hastag #ibcoco,
  • am Montag morgen läuft das Python Script, das die Zusammenfassung erstellt und die Kasse aktualisiert,
  • alle Teilnehmer sind für den Anfang in einem gemeinsamen Facebook Chat und auch per Twitter vernetzt.

Was soll ich sagen? Wir sind sechs Leute, die seit ein paar Wochen bloggen. Es macht Spass und 5 Euro für eine gute Sache haben wir auch schon gesammelt 🙂

Fazit

Du hast Zeit für ein Blog, dir fallen ständig neue Themen ein und damit du durchhältst, gibt es Iron Blogger, die nur zu gern gemeinsam mit dir bloggen. Worauf wartest du?


tl;dr: Iron Blogger bloggen mindestens einmal die Woche und tun auch sonst gute Dinge

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Starte (d)ein Blog – heute!

Ein Blog ist eine auf einer Website geführte Sammlung von Artikeln (blog posts), meist aus der Ich-Perspektive. Die neuen Einträge stehen oben. Ein denkbar einfaches Konzept.

Die Existenz von Blogs ist mittlerweile in der Masse angekommen, sie werden gelesen und auch von den traditionellen Medien zur Kenntnis genommen. Wir (Novatrend) haben ja auch ein Blog, dass du gerade liest 🙂

Wenn du Einträge auf Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Pinterest, Foursquare, CouchSurfing, DeviantArt, Ello, Flickr, Google+, LinkedIn, Meetup, SoundCloud, Tumblr, Xing, YouTube und all den anderen Plattformen postest, dann führst du auch so etwas ähnliches wie ein Blog.

Wenn du das eine gewisse Zeit machst und dann einen bestimmten Eintrag (Spruch, Status, check in, Foto, Video) suchst, stellst du plötzlich fest, dass es gar nicht so einfach ist, seine „eigenen“ Daten zu durchsuchen, geschweige denn archiviert herunterzuladen, von einer Platform auf eine andere zu übertragen oder all die anderen Dinge, die du gern mit „deinen“ Daten machen würdest.

Du stellst vermutlich sogar fest, dass es gar nicht mehr so richtig „deine“ Daten sind. Je nach Nutzungsbedingungen der Plattform hast du längst viele oder gar alle Rechte an deinen Inhalten an die Firma abgegeben, die den entsprechenden Service betreibt.

Meine Daten sind eh nichts wert

Wenn LinkedIn für 26’000’000’000 US$ von Microsoft gekauft wird (NZZ 13.6.2016), bezahlt Microsoft etwa 60 US$ pro User (433’000’000 User). Hast du eigentlich einen LinkedIn Account? Bei wie vielen anderen Services hast du denn auch noch deine Inhalte?

Ich habe bei mir mal nachgezählt und komme auf 12 grössere Services bei denen ich hin und wieder Inhalte poste. Wenn ich mal von den 60 US$ ausgehe, sind meine Daten momentan um die 720 US$ im Durchschnitt wert.

Deine Daten sind etwas wert!

Bei LinkedIn geht es momentan „nur“ um Geschäftsbeziehungen. Denk‘ mal bitte kurz an alle Daten, die du so erzeugst: Texte, Fotos, Musik, Videos, dein Fitness Armband, dein Auto, deine Bankkarte, dein Heimautomatisierungsdingsi und all die anderen Dinge, die so nach und nach vernetzt werden.

Daten sammeln

Hast du auch so eine Sammelkiste in der Andenken aus deiner Kindheit liegen? Irgendwelche Basteleien, Postkarten, Bilder, Andenken, so Kram halt. Manchmal dauert es 30 Jahre oder länger, bis du wieder in diese Kiste schaust. Oftmals im Beisein deiner Kinder. Manch einer hat aber auch gar keine Kiste und verlässt sich auf seine Erinnerungen, auch das macht Spass.

Im Zeitalter von Online Kommunikation bestehen viele, wenn nicht die meisten Erinnerungsstücke aus Bits und Bytes und werden auf Datenspeichern gelagert, auf die du kaum Einfluss hast. Das heisst, auch wenn du keine Kiste hast, haben Andere sehr wohl eine „Sammelkiste deiner Erlebnisse“.

Privatfirmen, und zunehmend auch Regierungen, heben Schätze aus historischen Daten und mehr und mehr werden Vorhersagen für die Zukunft auf der Basis dieser Daten in Kombination mit schlauen Algoritmen getroffen. Natürlich ist Microsoft im Fall von LinkedIn nur an den Daten von 433’000’000 Geschäftskontakten, deren Verbindungen und den Rohdaten interessiert.
Microsoft verkauft Software, Hardware und Services für diese Zielgruppe und wird sich die 26’000’000’000 mit Gewinn wieder reinholen. Aber zurück zu deinem Blogprojekt.

Ein eigenes Blog

Nun ist ein eigenes Blog natürlich nicht die Lösung aller Datenprobleme und auch nicht die ultimative Archivierungsmaschine, es ist aber schon etwas „eigeneres“ als die Plattformen mit ihren Services.

Als ich letzte Woche den STOP BÜPF Artikel hier bei uns im Blog schrieb, fiel mir auf, wie wichtig jedes (noch so kleine) Blog doch manchmal sein kann.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn du deinen Text auf einer Plattform, die du selbst betreibst, zuerst veröffentlichst und dann den Link auf deine Plattform in verschiedenen Services postest. Das Prinzip dahinter heisst übrigens POSSE (Publish on your Own Site, Syndicate Elsewhere).

Bei POSSE werden deine Inhalte auf einer Umgebung gespeichert, über die du die Kontrolle ausübst. Wenn du beispielsweise bei Facebook auf dein eigenes Blog verweist, „besucht“ Facebook dein Blog und lädt sich die ersten Sätze und ein Bild und zeigt dies in einem Statusbeitrag an. Ähnlich funktioniert es auf allen Plattformen. Wenn du ein RSS Feed anbietest, können deine Daten in einem externen Reader gelesen werden (siehe auch  RSS Feeds reloaded, der Selfoss Feed Reader). Die Daten bleiben jedoch unter deiner Kontrolle.

Die Folge davon ist (unter anderem):

Du wirst wahrgenommen. Das lässt sich gar nicht verhindern, denn alle wollen deine Daten und sind neugierig was du zu sagen hast.

Je länger du darüber nachdenkst, desto klarer wird dir vermutlich, warum es gut ist, ein eigenes Blog zu haben.

Hier eine kleine Liste von Vorteilen:

  • Es hilft dir, neue Dinge zu lernen
  • Du beginnst, klarer zu denken
  • Du lernst besser zu schreiben
  • Dein Selbstvertrauen wächst
  • Du sprichst strukturierter über „verbloggte“ Themen
  • Du kannst damit Geld verdienen (wenn du willst)
  • Du kannst einen guten Zweck unterstützen
  • Du brauchst keine Vorkenntnisse
  • Es ist eine echte Herausforderung 🙂
  • Es ist kostenlos (oder erschwinglich)
  • Du lernst immer etwas, über dich, die anderen und die Themen, über die du schreibst

Wie anfangen?

Die gängige Software für Blogs ist WordPress. Es geht auch mit vielen anderen Programmen und all den bekannten und unbekannten Content Management Systemen, aber WordPress ist einfach praktisch und hat sich de facto als Standard durchgesetzt.

Erste Schritte

Wenn du noch kein Blog hast, kannst du dir in ein paar Minuten ein Blog auf wordpress.com kostenlos „klicken“. WordPress.com ist auch ein Service (aus den USA) und deine Daten liegen auch auf der Festplatte eines Anderen, wie bei den oben beschriebenen Plattformen.

Aber du bist der, der über deine Daten bestimmt. Du kannst sie jederzeit exportieren und in eine von dir selbst gehostete WordPress Installation importieren. In diesem Moment beginnst du die Verantwortung über deine Daten zu übernehmen. Du kannst die Daten auch in viele andere Systeme importieren (Joomla, Drupal).

Die WordPress Software ist quelloffen (Open Source) und wird von einer grossen Community entwickelt. Du kannst dir den Code von wordpress.org herunterladen und lokal oder bei einem Hoster deiner Wahl installieren. Das kann bei Novatrend oder bei einem unserer Kollegen sein. Du kannst auch jederzeit umziehen mit deinen Daten.

Verantwortung

Je weiter du dich von „rundum sorglos“ Services entfernst, desto mehr Verantwortung überträgst du dir selbst. Es ist ein bißchen wie erwachsen werden. Plötzlich hast du ein eigenes Auto/Handy/Fahrrad/Freund/Freundin/Famile/Wohnung/Haus/Boot und lernst, dass man das auch pflegen und hegen muss, damit es weiterhin gut funktioniert.

Ein Blog ist insofern auch eine gute Übung in „erwachsen werden“.

Fazit

Du brauchst ein Blog und wenn du schon eins hast, dann poste doch bitte deine URL als Kommentar. Ich werde dann mal eine Blogroll hier im Novatrend Blog anlegen.

Links


tl;dr: Starte ein Blog – jetzt!