Starte (d)ein Blog – heute!

Marcie Casas - https://www.flickr.com/photos/marciecasas/5347580266/ (CC BY 2.0)

Marcie Casas - https://www.flickr.com/photos/marciecasas/5347580266/ (CC BY 2.0)

Ein Blog ist eine auf einer Website geführte Sammlung von Artikeln (blog posts), meist aus der Ich-Perspektive. Die neuen Einträge stehen oben. Ein denkbar einfaches Konzept.

Die Existenz von Blogs ist mittlerweile in der Masse angekommen, sie werden gelesen und auch von den traditionellen Medien zur Kenntnis genommen. Wir (Novatrend) haben ja auch ein Blog, dass du gerade liest 🙂

Wenn du Einträge auf Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Pinterest, Foursquare, CouchSurfing, DeviantArt, Ello, Flickr, Google+, LinkedIn, Meetup, SoundCloud, Tumblr, Xing, YouTube und all den anderen Plattformen postest, dann führst du auch so etwas ähnliches wie ein Blog.

Wenn du das eine gewisse Zeit machst und dann einen bestimmten Eintrag (Spruch, Status, check in, Foto, Video) suchst, stellst du plötzlich fest, dass es gar nicht so einfach ist, seine „eigenen“ Daten zu durchsuchen, geschweige denn archiviert herunterzuladen, von einer Platform auf eine andere zu übertragen oder all die anderen Dinge, die du gern mit „deinen“ Daten machen würdest.

Du stellst vermutlich sogar fest, dass es gar nicht mehr so richtig „deine“ Daten sind. Je nach Nutzungsbedingungen der Plattform hast du längst viele oder gar alle Rechte an deinen Inhalten an die Firma abgegeben, die den entsprechenden Service betreibt.

Meine Daten sind eh nichts wert

Wenn LinkedIn für 26’000’000’000 US$ von Microsoft gekauft wird (NZZ 13.6.2016), bezahlt Microsoft etwa 60 US$ pro User (433’000’000 User). Hast du eigentlich einen LinkedIn Account? Bei wie vielen anderen Services hast du denn auch noch deine Inhalte?

Ich habe bei mir mal nachgezählt und komme auf 12 grössere Services bei denen ich hin und wieder Inhalte poste. Wenn ich mal von den 60 US$ ausgehe, sind meine Daten momentan um die 720 US$ im Durchschnitt wert.

Deine Daten sind etwas wert!

Bei LinkedIn geht es momentan „nur“ um Geschäftsbeziehungen. Denk‘ mal bitte kurz an alle Daten, die du so erzeugst: Texte, Fotos, Musik, Videos, dein Fitness Armband, dein Auto, deine Bankkarte, dein Heimautomatisierungsdingsi und all die anderen Dinge, die so nach und nach vernetzt werden.

Daten sammeln

Hast du auch so eine Sammelkiste in der Andenken aus deiner Kindheit liegen? Irgendwelche Basteleien, Postkarten, Bilder, Andenken, so Kram halt. Manchmal dauert es 30 Jahre oder länger, bis du wieder in diese Kiste schaust. Oftmals im Beisein deiner Kinder. Manch einer hat aber auch gar keine Kiste und verlässt sich auf seine Erinnerungen, auch das macht Spass.

Im Zeitalter von Online Kommunikation bestehen viele, wenn nicht die meisten Erinnerungsstücke aus Bits und Bytes und werden auf Datenspeichern gelagert, auf die du kaum Einfluss hast. Das heisst, auch wenn du keine Kiste hast, haben Andere sehr wohl eine „Sammelkiste deiner Erlebnisse“.

Privatfirmen, und zunehmend auch Regierungen, heben Schätze aus historischen Daten und mehr und mehr werden Vorhersagen für die Zukunft auf der Basis dieser Daten in Kombination mit schlauen Algoritmen getroffen. Natürlich ist Microsoft im Fall von LinkedIn nur an den Daten von 433’000’000 Geschäftskontakten, deren Verbindungen und den Rohdaten interessiert.
Microsoft verkauft Software, Hardware und Services für diese Zielgruppe und wird sich die 26’000’000’000 mit Gewinn wieder reinholen. Aber zurück zu deinem Blogprojekt.

Ein eigenes Blog

Nun ist ein eigenes Blog natürlich nicht die Lösung aller Datenprobleme und auch nicht die ultimative Archivierungsmaschine, es ist aber schon etwas „eigeneres“ als die Plattformen mit ihren Services.

Als ich letzte Woche den STOP BÜPF Artikel hier bei uns im Blog schrieb, fiel mir auf, wie wichtig jedes (noch so kleine) Blog doch manchmal sein kann.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn du deinen Text auf einer Plattform, die du selbst betreibst, zuerst veröffentlichst und dann den Link auf deine Plattform in verschiedenen Services postest. Das Prinzip dahinter heisst übrigens POSSE (Publish on your Own Site, Syndicate Elsewhere).

Bei POSSE werden deine Inhalte auf einer Umgebung gespeichert, über die du die Kontrolle ausübst. Wenn du beispielsweise bei Facebook auf dein eigenes Blog verweist, „besucht“ Facebook dein Blog und lädt sich die ersten Sätze und ein Bild und zeigt dies in einem Statusbeitrag an. Ähnlich funktioniert es auf allen Plattformen. Wenn du ein RSS Feed anbietest, können deine Daten in einem externen Reader gelesen werden (siehe auch  RSS Feeds reloaded, der Selfoss Feed Reader). Die Daten bleiben jedoch unter deiner Kontrolle.

Die Folge davon ist (unter anderem):

Du wirst wahrgenommen. Das lässt sich gar nicht verhindern, denn alle wollen deine Daten und sind neugierig was du zu sagen hast.

Je länger du darüber nachdenkst, desto klarer wird dir vermutlich, warum es gut ist, ein eigenes Blog zu haben.

Hier eine kleine Liste von Vorteilen:

  • Es hilft dir, neue Dinge zu lernen
  • Du beginnst, klarer zu denken
  • Du lernst besser zu schreiben
  • Dein Selbstvertrauen wächst
  • Du sprichst strukturierter über „verbloggte“ Themen
  • Du kannst damit Geld verdienen (wenn du willst)
  • Du kannst einen guten Zweck unterstützen
  • Du brauchst keine Vorkenntnisse
  • Es ist eine echte Herausforderung 🙂
  • Es ist kostenlos (oder erschwinglich)
  • Du lernst immer etwas, über dich, die anderen und die Themen, über die du schreibst

Wie anfangen?

Die gängige Software für Blogs ist WordPress. Es geht auch mit vielen anderen Programmen und all den bekannten und unbekannten Content Management Systemen, aber WordPress ist einfach praktisch und hat sich de facto als Standard durchgesetzt.

Erste Schritte

Wenn du noch kein Blog hast, kannst du dir in ein paar Minuten ein Blog auf wordpress.com kostenlos „klicken“. WordPress.com ist auch ein Service (aus den USA) und deine Daten liegen auch auf der Festplatte eines Anderen, wie bei den oben beschriebenen Plattformen.

Aber du bist der, der über deine Daten bestimmt. Du kannst sie jederzeit exportieren und in eine von dir selbst gehostete WordPress Installation importieren. In diesem Moment beginnst du die Verantwortung über deine Daten zu übernehmen. Du kannst die Daten auch in viele andere Systeme importieren (Joomla, Drupal).

Die WordPress Software ist quelloffen (Open Source) und wird von einer grossen Community entwickelt. Du kannst dir den Code von wordpress.org herunterladen und lokal oder bei einem Hoster deiner Wahl installieren. Das kann bei Novatrend oder bei einem unserer Kollegen sein. Du kannst auch jederzeit umziehen mit deinen Daten.

Verantwortung

Je weiter du dich von „rundum sorglos“ Services entfernst, desto mehr Verantwortung überträgst du dir selbst. Es ist ein bißchen wie erwachsen werden. Plötzlich hast du ein eigenes Auto/Handy/Fahrrad/Freund/Freundin/Famile/Wohnung/Haus/Boot und lernst, dass man das auch pflegen und hegen muss, damit es weiterhin gut funktioniert.

Ein Blog ist insofern auch eine gute Übung in „erwachsen werden“.

Fazit

Du brauchst ein Blog und wenn du schon eins hast, dann poste doch bitte deine URL als Kommentar. Ich werde dann mal eine Blogroll hier im Novatrend Blog anlegen.

Links


tl;dr: Starte ein Blog – jetzt!

Autor: Hagen Graf

consultant, author, trainer, solution finder, web architect, developer, open source lover, visionary, orator, the good old webmaster. Able to simplify!

13 Gedanken zu „Starte (d)ein Blog – heute!“

  1. Hallo Hagen,
    ich habe den komischen ersten Eindruck nach dem Lesen, dass ich hier auch schon kommentierte. Zumindest kommt mir das bekannt vor 😉 Zum Thema: Ja, immer wieder gerne die Sache mit dem eigenen Blog, dem eigenen Server. Es ist sehr viel eigener Verantwortung und du bist der Herr des Blog-Hauses, bestimmst wie der Hase läuft und nicht läuft.

    Ich blogge nun schon seit etlichen Jahren und will immer noch dazu lernen, bei den Blogger-KollegInnen mitlesen und mich in meine Lieblingsthemen wie Blogging und CMS etwas vertiefen. Da bin ich jedem Blog-Mensch dankbar, wenn er darüber schreibt. So ist man unter Gleichgesinnten und hat etwas zu erzählen.

    Ich mag keine Free-Hoster und habe noch ein Blogger.com-Blog, bei WordPress.com glaube ich auch etwas und sonst noch bei Jimdo. Das machte mich im Endeffekt nicht glücklich und alles will ich in meinem Hause und selbstgehostet haben. Sogar Social Media ist bei mir auf Platz 2 nach dem eigenen Blog. So sollte es, wenn es nach mir geht, auch gerne sein.

    Heute ist übrigens meine Kommentierrunde und kommen denn hier meine Pingbacks an, da wo ich mich mit dir etwas vernetzen möchte.

    1. Was mir in dem Zusammenhang – nach Lesen Deines Kommentars – durch den Kopf geht, ist, dass ein guter Dienstleister seinen Kunden auch das Gefühl gibt, wieder weg zu können.

      Das widerspricht allem, was man eigentlich möchte, dient aber meiner Ansicht nach der Kundenzufriedenheit.

      1. Ich sehe das nicht als Widerspruch. Es ist meines Erachtens eher klassisches kaufmännisches Denken (vielleicht etwas aus der Mode geraten). Gerade bei wichtigen Kunden ist es gut, wenn sie mal etwas Anderes ausprobieren können und nicht „schräg“ angesehen werden. Langfristige und gute Geschäfte gehen eh nur mit Vertrauen. Wenn mein Service gut und fair ist werden sie wiederkommen.
        Ich als Kunde verteile mein Risiko ja auch so gut es geht.

        1. Es ist wirklich stark aus der Mode gekommen.

          Siehe alleine die „Unart“, dass ich Verträge online absschliessen kann, aber durch Fax oder Einschreiben kündigen muss.

          Beim Vertrauen gebe ich Dir selbstverständlich Recht.

          1. Ich bin immer hin- und hergerissen von den Möglichkeiten der „Technik“. Es war und ist auch heute immer noch „einfach“, Leute „über den Tisch zu ziehen“. Der Anbieter macht dann oft zwei Geschäfte auf einmal mit dem Kunden (das Erste und das Letzte). Solche Geschäftsmodelle lassen sich aber hervorragend skalieren und wenn dann alle Leute „Kunden“ sind, erfindet man etwas Neues oder hebt die Preise an (oder beides).
            Aber … es gehören natürlich immer zwei dazu. Einer der zieht und einer der sich ziehen lässt. Eine Änderung dieser „Unarten“ (Das Wort klingt so schön altmodisch, passt aber ganz gut) erfolgt m.E. nur, wenn Kunden und Anbieter über ihr Verhalten nachdenken und überlegen warum sie sich eigentlich so verhalten (siehe Volkswagen Diesel Story und tausend andere Beispiele). Das hat wieder mit Zielen und Hoffnungen und Status und allem möglichen anderen zu tun …
            Das was unterm Strich tatsächlich immer übrig bleibt, ist Vertrauen oder eben kein Vertrauen.
            Allein aus diesem Thema könnten wir schon >99 Blog Posts erzeugen 🙂

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