Facebook und das automatisierte Veröffentlichen auf Benutzer Timelines

Facebook Änderung

Facebook Änderung

Ich muss mal ein wenig ausholen und ganz privat plaudern. Ich habe ein Facebook Profil. Da poste ich Links zu Texten, die ich schreibe. Ich selbst schreibe bei Facebook hin und wieder Kommentare und lese auch Posts meiner „Freunde“. Ich nenne diese Freunde eher „Bekannte“, weil ich sie zum Einen tatsächlich alle kenne und zum Anderen ich nicht jeden davon als meinen Freund bezeichnen würde. Trotzdem sind sie mir alle wertvoll und wichtig 🙂
Ich habe glücklicherweise keine „nervigen“ Posts in meiner Timeline, ausser der in letzter Zeit zunehmenden Werbung. Die Einträge, die ich selbst poste, sind öffentlich, da ich davon ausgehe, dass alles, was ich auf Plattformen wie Facebook poste, früher oder später öffentlich wird. Ich habe immer mal wieder überlegt, das Profil zu deaktivieren wegen der Datenschutzproblematik, mich aber dann doch nach kurzer Zeit dagegen entschieden. Facebook ist war praktisch, um „Kontakt“ zu halten. Ich schreibe bewusst „war“, weil es mittlerweile so viele Systeme gibt, die ähnliche Funktionen bieten und von unterschiedlichen Gruppen genutzt werden. Und weil es so viele unterschiedliche Systeme gibt, wird es plötzlich wieder schwieriger „Kontakt“ zu halten.

Harry erreiche ich über Facebook, Sabine über Instagram, Gabi über Twitter, Nicola über Google Hangouts, Johannes über Skype, Alex über WhatsApp, Holger über SMS, Karsten über Jabber, bei Marcel muss ich vorbeigehen und manche Bekannte sind echt schwer zu erreichen.
Wenn ich nun möglichst einfach Harry, Sabine, Johannes, Nicola, Gabi, Alex, Holger, Karsten und Marcel darüber informieren will, dass irgendwas in meinem Leben passiert ist, schreibe ich entweder einen Blogeintrag in mein selbst gehostetes WordPress Blog oder poste ein Foto auf Flickr oder Instagram.

Da ich weiss, dass meine Bekannten oft andere Plattformen bevorzugen, versuche ich meine Inhalte zu „spiegeln“, ohne dass es für die Leser nervig wird.

Wenn ich einen neuen Blogpost veröffentliche wird der Link zu diesem Beitrag  automatisch an ein paar soziale Netzwerke verteilt, in denen das erlaubt ist. Das funktioniert gut und spart mir Zeit. Ausserdem hat es den angenehmen Nebeneffekt, dass der Teil meiner Bekannten, die meine Texte interessant finden und kommentieren, durch den Link genau dorthin gelangen, wo diese Texte veröffentlicht werden – auf meinem Blog.

Das Prinzip hat auch einen Namen: Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere (POSSE)

Es bietet Vorteile für mich, hier eine kleine Auswahl:

  • Eigentum: Wenn ich auf meiner eigenen Website zuerst veröffentliche, entsteht eine Kette von Inhalten und Links, die zu mir zurückverfolgt werden kann.
  • Unabhängigkeit von Dritten: Wenn ich auf meiner eigenen Website poste, bin ich nicht auf Dienste von Drittanbietern angewiesen.
  • Eigene URLs: URLs zu meinem Inhalten sind in meiner Domain.
  • Originalinhalte und Zitate: Wenn du Inhalte zuerst auf deiner eigenen Website veröffentlichst, können Kopien, die du bei Drittanbieterdiensten postest, das Original auf deiner Website verlinken oder zitieren.
  • Bessere Suche: Die Suche nach öffentlichen Inhalten auf deiner eigenen Domain mit einer beliebigen Suchmaschine funktioniert besser als die ausschließliche Verwendung von beispielsweise Twitter, um deine Tweets zu durchsuchen.

Den umgekehrten Weg versuche ich genauso. Da es für mich mühselig ist, alle Plattformen regelmässig auf Neuigkeiten zu untersuchen, aggregiere ich die für mich wichtigen Informationen mit unterschiedlichen Tools, beispielsweise mit RSS – Es gibt nichts besseres!

Hintergrund der ganzen Aktion ist mein Versuch, Inhalte, die mich interessieren, selbst zusammenzustellen und hin und wieder Ausschau nach etwas Neuem zu halten. Diese Vorgehensweise ist optimiert auf meine Bedürfnisse und hat für mich viele Vorteile. Als Gegenleistung gebe ich meine Daten an die Netzwerke und für mich stimmt momentan die Balance. Ich habe ein paar Bekannte, die das ähnlich organisieren wie ich und andere, die innerhalb der proprietären Plattformen Formate wie Stories nutzen (Facebook, Instagram, Snapchat), die ich nicht aggregieren kann und die dadurch nicht mehr bei mir ankommen. Das nehme ich bewusst in Kauf.

Das, was ich da gerade beschrieben habe, ist meine individuelle, private Lösung im Umgang mit Bekannten, der Öffentlichkeit und Inhalten, die ich produziere.

Business

Aus der Sicht der Unternehmen, die diese Plattformen betreiben, ist meine Strategie natürlich nicht so sehr erwünscht. Deren Ziel ist ja auf der einen Seite meine Aufmerksamkeit zu erregen um mir bezahlte Werbung zu präsentieren und auf der anderen Seite, aus den Metadaten, die ich beim Besuch der Plattform hinterlasse, ein genaueres Profil von mir zu erzeugen. Dadurch können sie mein Verhalten besser einschätzen und mir „noch bessere“ Werbung präsentieren.

Ich bin aus deren Sicht zwar durchaus ein Lieferant von Inhalten, verweise aber meistens auf meine eigene Website. Das stört die Aufenthaltsdauer auf den Plattformen und in deren Smartphone Apps. In Smartphone Apps ist es bereits heute schwierig bis unmöglich, die App zu verlassen um einen Link in einem Browser zu öffnen.
Die Welt ausserhalb der App scheint gefährlich zu sein 🙂

WordPress JetPack

Das WordPress Plugin, das ich in meinem Blog zum automatisierten Verteilen benutze, heisst JetPack. Es ist ebenfalls ein wenig umstritten in der Bloggerwelt, weil es Daten von und nach Automattic liefert, der Firma hinter WordPress. Seit dem 1. August 2018 ist es nicht mehr möglich, Beiträge automatisiert auf einem Facebook Profil zu teilen. Anlass für die Änderung war der Skandal um Cambridge Analytica (FAQ: Was wir über den Skandal um Facebook und Cambridge Analytica wissen).

Facebook Änderung
Nachricht aus JetPack über die Facebook Änderung

JetPack enthält das Modul Publicize und hier können die Verbindungen konfiguriert werden.

WordPress JetPack Publicize
WordPress JetPack Publicize

Im einzelnen Beitrag sieht das dann so aus

WordPress JetPack Publicize - Beitrag
WordPress JetPack Publicize – Beitrag

Das Modul nutzt die API von Facebook und konnte bisher auf Facebook Profile und Facebook Pages posten.

Hootsuite, IFTTT, Buffer

Es gibt auch andere Tools, mit denen die Bespielung sozialer Netzwerke  unabhängig von der eigenen Website  automatisiert werden kann, beispielsweise Hootsuite und IFTTT  (siehe auch: Ein Automat für #Kunstprojekt) und Buffer.

Hootsuite
Hootsuite Einstellungen für soziale Netzwerke

Diese Tools sind abhängig von den Möglichkeiten der entsprechenden APIs der sozialen Netzwerke. Wenn Facebook etwas ändert, müssen sich diese Services auch anpassen.

Facebook API

Die Facebook API (https://developers.facebook.com) beschreibt die Wege, wie eine „Fernbedienung“ von Facebook funktionieren. Das betrifft im oben beschriebenen Fall mein eigenes Profil, viel wichtiger sind allerdings Rechte, die die Apps auf Nachfrage vom Nutzer erhalten. Bei Cambridge Analytica ging es um den Lesezugriff auf Daten eines Profils und von dessen Freunden.

On August 1st, 2018, the Live API publish_actions permission, which allows an app to publish on behalf of its Users, will be reserved for approved partners. A new permission model that allows apps to publish Videos to their User’s Groups and Timeline will be created instead.

Access to the Pages APIs requires re-submission of the application for review before August 1, 2018. This will be required to continue publishing live and VOD video to Pages, as well as reading insights.

Nur noch „approved Partner“ dürfen auf Profile posten. Das Posten auf Facebook Pages ist weiterhin möglich. Da stellt sich natürlich gleich die Frage, wer unter welchen Umständen „approved Partner“ werden kann und ob dem dann die gleiche Funktionalität wie Cambridge Analytica zur Verfügung stehen wird?

In diesem Zusammenhang bot mir die Instagram App auf meinem Telefon neulich an, ob ich meinen existierenden Instagram Account in einen Business Account umwandeln wolle. Als Anreiz wurde mir angeboten „Insights“ über meine Stories, Posts und Follower zu erhalten. Auch hier wurde darauf hingewiesen, dass ein automatisiertes Verteilen nur auf Facebook Pages möglich ist (und natürlich anderen Social Networks).

Sharing in Instagram
Sharing in Instagram

Da ich ja prinzipiell neugierig bin, habe ich das natürlich ausprobiert (man kann auch wieder zurück in den alten Zustand wechseln). Eine bis dahin noch nicht vorhandene Facebook Page wurde automatisch für mich angelegt und die Instagram Bilder werden nun auch dorthin übertragen (Die Videos übrigens noch nicht). Bisher hat übrigens kaum jemand diese Facebook Page gefunden und angesehen. Facebook unterscheidet da zwischen „Organic“ und „Paid“ Zugriffen.

Insights Facebook Page
Insights Facebook Page

Werbung

Was für mich als Privatmensch eher nutzlos ist, ist für ein Unternehmen, das Werbung machen will, natürlich super. Auf einer Facebook Page und im Instagram Account lässt sich relativ einfach Reichweite kaufen. In diesem Fall wende ich mich an Menschen, die in der Schweiz leben und sich für Boote interessieren. Auf der Facebook Page kann man die Zielgruppe sehr genau einschränken.

Werbung auf einer Facebook Page
Werbung auf einer Facebook Page

In Instagram ist das noch nicht so gut entwickelt. Vermutlich weiss Facebook noch nicht so viel über die Instagram Benutzer.

Werbung auf Instagram
Werbung auf Instagram

Nachdem du eine Promotion erstellt hast, wird der Post der gewählten Gruppe angezeigt und du erhältst auch die entsprechenden „Insights“ von Facebook zur Erfolgskontrolle. Falls du mit Links auf die eigene Website oder den eigenen Shop verweist, musst du den Links entsprechende Parameter mitgeben, die vom Shop oder anderen Analysetools erkannt werden um zu erkennen, dass die Besucher aus deiner Facebook Promotion kommen.

Parallel dazu musst du als Unternehmen zusehen, dass Besucher deine Seite „liken“. Das kannst du natürlich auch kaufen.

Für Facebook ist das ein gutes Geschäftsmodell und das vermutliche bestmöglichste Ergebnis nach dem Cambridge Analytica Skandal. Für die Marketingabteilungen von Unternehmen ist es ebenfalls zunächst mal einfach. Ob sich diese Art Werbung lohnt, muss jeder für sich selbst ausprobieren. Für kleinere Firmen und Startups kann sich das durchaus lohnen. Eine genaue Kontrolle der Wirkung ist unerlässlich.

Aber zurück zu mir, meinen Bekannten und meiner privaten Kommunikationsstrategie. Wie ist es für die privaten Facebook Benutzer mit ihren sozialen Kontakten? Auch wenn es auf den ersten Blick nur eine kleine API Änderung ist, hat es doch weitreichende Folgen für die Art der Nutzung eines Facebook Profils.


tl;dr: Seit 1.8.2018 kann du keine Inhalte mehr automatisiert auf dein Facebook Profil posten

Autor: hagengraf

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