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Die Sache mit der Zählerei

Wer irgendetwas irgendwo postet, möchte meistens auch wissen ob das jemand liest, schliesslich hat er oder sie ja Zeit, Talent, Kreativität und viel Hirnschmalz in den Beitrag investiert, vielleicht sogar Geld.
Zählen ist aber gar nicht so einfach. Zunächst ist es ein grosser Unterscheid, ob etwas „aus Leidenschaft“ passiert oder ob ein „Budget“ benötigt wird. Der leidenschaftliche Poster freut sich vermutlich über Anerkennung, steht aber meist über der Erbsenzählerei von Zugriffszahlen. Es geht „um Wichtigeres“.
Alle anderen, nicht ganz so leidenschaftliche Menschen, werden aus unterschiedlichen Gründen durchaus mal nach Zugriffszahlen ihrer Beiträge gefragt. Und genau an diesem Punkt stellt man fest, dass es gar nicht so einfach ist, eine Antwort auf diese doch so einfache Frage zu geben.

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Facebook und das automatisierte Veröffentlichen auf Benutzer Timelines

Ich muss mal ein wenig ausholen und ganz privat plaudern. Ich habe ein Facebook Profil. Da poste ich Links zu Texten, die ich schreibe. Ich selbst schreibe bei Facebook hin und wieder Kommentare und lese auch Posts meiner „Freunde“. Ich nenne diese Freunde eher „Bekannte“, weil ich sie zum Einen tatsächlich alle kenne und zum Anderen ich nicht jeden davon als meinen Freund bezeichnen würde. Trotzdem sind sie mir alle wertvoll und wichtig 🙂
Ich habe glücklicherweise keine „nervigen“ Posts in meiner Timeline, ausser der in letzter Zeit zunehmenden Werbung. Die Einträge, die ich selbst poste, sind öffentlich, da ich davon ausgehe, dass alles, was ich auf Plattformen wie Facebook poste, früher oder später öffentlich wird. Ich habe immer mal wieder überlegt, das Profil zu deaktivieren wegen der Datenschutzproblematik, mich aber dann doch nach kurzer Zeit dagegen entschieden. Facebook ist war praktisch, um „Kontakt“ zu halten. Ich schreibe bewusst „war“, weil es mittlerweile so viele Systeme gibt, die ähnliche Funktionen bieten und von unterschiedlichen Gruppen genutzt werden. Und weil es so viele unterschiedliche Systeme gibt, wird es plötzlich wieder schwieriger „Kontakt“ zu halten.

Harry erreiche ich über Facebook, Sabine über Instagram, Gabi über Twitter, Nicola über Google Hangouts, Johannes über Skype, Alex über WhatsApp, Holger über SMS, Karsten über Jabber, bei Marcel muss ich vorbeigehen und manche Bekannte sind echt schwer zu erreichen.
Wenn ich nun möglichst einfach Harry, Sabine, Johannes, Nicola, Gabi, Alex, Holger, Karsten und Marcel darüber informieren will, dass irgendwas in meinem Leben passiert ist, schreibe ich entweder einen Blogeintrag in mein selbst gehostetes WordPress Blog oder poste ein Foto auf Flickr oder Instagram.

Da ich weiss, dass meine Bekannten oft andere Plattformen bevorzugen, versuche ich meine Inhalte zu „spiegeln“, ohne dass es für die Leser nervig wird.

Wenn ich einen neuen Blogpost veröffentliche wird der Link zu diesem Beitrag  automatisch an ein paar soziale Netzwerke verteilt, in denen das erlaubt ist. Das funktioniert gut und spart mir Zeit. Ausserdem hat es den angenehmen Nebeneffekt, dass der Teil meiner Bekannten, die meine Texte interessant finden und kommentieren, durch den Link genau dorthin gelangen, wo diese Texte veröffentlicht werden – auf meinem Blog.

Das Prinzip hat auch einen Namen: Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere (POSSE)

Es bietet Vorteile für mich, hier eine kleine Auswahl:

  • Eigentum: Wenn ich auf meiner eigenen Website zuerst veröffentliche, entsteht eine Kette von Inhalten und Links, die zu mir zurückverfolgt werden kann.
  • Unabhängigkeit von Dritten: Wenn ich auf meiner eigenen Website poste, bin ich nicht auf Dienste von Drittanbietern angewiesen.
  • Eigene URLs: URLs zu meinem Inhalten sind in meiner Domain.
  • Originalinhalte und Zitate: Wenn du Inhalte zuerst auf deiner eigenen Website veröffentlichst, können Kopien, die du bei Drittanbieterdiensten postest, das Original auf deiner Website verlinken oder zitieren.
  • Bessere Suche: Die Suche nach öffentlichen Inhalten auf deiner eigenen Domain mit einer beliebigen Suchmaschine funktioniert besser als die ausschließliche Verwendung von beispielsweise Twitter, um deine Tweets zu durchsuchen.

Den umgekehrten Weg versuche ich genauso. Da es für mich mühselig ist, alle Plattformen regelmässig auf Neuigkeiten zu untersuchen, aggregiere ich die für mich wichtigen Informationen mit unterschiedlichen Tools, beispielsweise mit RSS – Es gibt nichts besseres!

Hintergrund der ganzen Aktion ist mein Versuch, Inhalte, die mich interessieren, selbst zusammenzustellen und hin und wieder Ausschau nach etwas Neuem zu halten. Diese Vorgehensweise ist optimiert auf meine Bedürfnisse und hat für mich viele Vorteile. Als Gegenleistung gebe ich meine Daten an die Netzwerke und für mich stimmt momentan die Balance. Ich habe ein paar Bekannte, die das ähnlich organisieren wie ich und andere, die innerhalb der proprietären Plattformen Formate wie Stories nutzen (Facebook, Instagram, Snapchat), die ich nicht aggregieren kann und die dadurch nicht mehr bei mir ankommen. Das nehme ich bewusst in Kauf.

Das, was ich da gerade beschrieben habe, ist meine individuelle, private Lösung im Umgang mit Bekannten, der Öffentlichkeit und Inhalten, die ich produziere.

Business

Aus der Sicht der Unternehmen, die diese Plattformen betreiben, ist meine Strategie natürlich nicht so sehr erwünscht. Deren Ziel ist ja auf der einen Seite meine Aufmerksamkeit zu erregen um mir bezahlte Werbung zu präsentieren und auf der anderen Seite, aus den Metadaten, die ich beim Besuch der Plattform hinterlasse, ein genaueres Profil von mir zu erzeugen. Dadurch können sie mein Verhalten besser einschätzen und mir „noch bessere“ Werbung präsentieren.

Ich bin aus deren Sicht zwar durchaus ein Lieferant von Inhalten, verweise aber meistens auf meine eigene Website. Das stört die Aufenthaltsdauer auf den Plattformen und in deren Smartphone Apps. In Smartphone Apps ist es bereits heute schwierig bis unmöglich, die App zu verlassen um einen Link in einem Browser zu öffnen.
Die Welt ausserhalb der App scheint gefährlich zu sein 🙂

WordPress JetPack

Das WordPress Plugin, das ich in meinem Blog zum automatisierten Verteilen benutze, heisst JetPack. Es ist ebenfalls ein wenig umstritten in der Bloggerwelt, weil es Daten von und nach Automattic liefert, der Firma hinter WordPress. Seit dem 1. August 2018 ist es nicht mehr möglich, Beiträge automatisiert auf einem Facebook Profil zu teilen. Anlass für die Änderung war der Skandal um Cambridge Analytica (FAQ: Was wir über den Skandal um Facebook und Cambridge Analytica wissen).

Facebook Änderung
Nachricht aus JetPack über die Facebook Änderung

JetPack enthält das Modul Publicize und hier können die Verbindungen konfiguriert werden.

WordPress JetPack Publicize
WordPress JetPack Publicize

Im einzelnen Beitrag sieht das dann so aus

WordPress JetPack Publicize - Beitrag
WordPress JetPack Publicize – Beitrag

Das Modul nutzt die API von Facebook und konnte bisher auf Facebook Profile und Facebook Pages posten.

Hootsuite, IFTTT, Buffer

Es gibt auch andere Tools, mit denen die Bespielung sozialer Netzwerke  unabhängig von der eigenen Website  automatisiert werden kann, beispielsweise Hootsuite und IFTTT  (siehe auch: Ein Automat für #Kunstprojekt) und Buffer.

Hootsuite
Hootsuite Einstellungen für soziale Netzwerke

Diese Tools sind abhängig von den Möglichkeiten der entsprechenden APIs der sozialen Netzwerke. Wenn Facebook etwas ändert, müssen sich diese Services auch anpassen.

Facebook API

Die Facebook API (https://developers.facebook.com) beschreibt die Wege, wie eine „Fernbedienung“ von Facebook funktionieren. Das betrifft im oben beschriebenen Fall mein eigenes Profil, viel wichtiger sind allerdings Rechte, die die Apps auf Nachfrage vom Nutzer erhalten. Bei Cambridge Analytica ging es um den Lesezugriff auf Daten eines Profils und von dessen Freunden.

On August 1st, 2018, the Live API publish_actions permission, which allows an app to publish on behalf of its Users, will be reserved for approved partners. A new permission model that allows apps to publish Videos to their User’s Groups and Timeline will be created instead.

Access to the Pages APIs requires re-submission of the application for review before August 1, 2018. This will be required to continue publishing live and VOD video to Pages, as well as reading insights.

Nur noch „approved Partner“ dürfen auf Profile posten. Das Posten auf Facebook Pages ist weiterhin möglich. Da stellt sich natürlich gleich die Frage, wer unter welchen Umständen „approved Partner“ werden kann und ob dem dann die gleiche Funktionalität wie Cambridge Analytica zur Verfügung stehen wird?

In diesem Zusammenhang bot mir die Instagram App auf meinem Telefon neulich an, ob ich meinen existierenden Instagram Account in einen Business Account umwandeln wolle. Als Anreiz wurde mir angeboten „Insights“ über meine Stories, Posts und Follower zu erhalten. Auch hier wurde darauf hingewiesen, dass ein automatisiertes Verteilen nur auf Facebook Pages möglich ist (und natürlich anderen Social Networks).

Sharing in Instagram
Sharing in Instagram

Da ich ja prinzipiell neugierig bin, habe ich das natürlich ausprobiert (man kann auch wieder zurück in den alten Zustand wechseln). Eine bis dahin noch nicht vorhandene Facebook Page wurde automatisch für mich angelegt und die Instagram Bilder werden nun auch dorthin übertragen (Die Videos übrigens noch nicht). Bisher hat übrigens kaum jemand diese Facebook Page gefunden und angesehen. Facebook unterscheidet da zwischen „Organic“ und „Paid“ Zugriffen.

Insights Facebook Page
Insights Facebook Page

Werbung

Was für mich als Privatmensch eher nutzlos ist, ist für ein Unternehmen, das Werbung machen will, natürlich super. Auf einer Facebook Page und im Instagram Account lässt sich relativ einfach Reichweite kaufen. In diesem Fall wende ich mich an Menschen, die in der Schweiz leben und sich für Boote interessieren. Auf der Facebook Page kann man die Zielgruppe sehr genau einschränken.

Werbung auf einer Facebook Page
Werbung auf einer Facebook Page

In Instagram ist das noch nicht so gut entwickelt. Vermutlich weiss Facebook noch nicht so viel über die Instagram Benutzer.

Werbung auf Instagram
Werbung auf Instagram

Nachdem du eine Promotion erstellt hast, wird der Post der gewählten Gruppe angezeigt und du erhältst auch die entsprechenden „Insights“ von Facebook zur Erfolgskontrolle. Falls du mit Links auf die eigene Website oder den eigenen Shop verweist, musst du den Links entsprechende Parameter mitgeben, die vom Shop oder anderen Analysetools erkannt werden um zu erkennen, dass die Besucher aus deiner Facebook Promotion kommen.

Parallel dazu musst du als Unternehmen zusehen, dass Besucher deine Seite „liken“. Das kannst du natürlich auch kaufen.

Für Facebook ist das ein gutes Geschäftsmodell und das vermutliche bestmöglichste Ergebnis nach dem Cambridge Analytica Skandal. Für die Marketingabteilungen von Unternehmen ist es ebenfalls zunächst mal einfach. Ob sich diese Art Werbung lohnt, muss jeder für sich selbst ausprobieren. Für kleinere Firmen und Startups kann sich das durchaus lohnen. Eine genaue Kontrolle der Wirkung ist unerlässlich.

Aber zurück zu mir, meinen Bekannten und meiner privaten Kommunikationsstrategie. Wie ist es für die privaten Facebook Benutzer mit ihren sozialen Kontakten? Auch wenn es auf den ersten Blick nur eine kleine API Änderung ist, hat es doch weitreichende Folgen für die Art der Nutzung eines Facebook Profils.


tl;dr: Seit 1.8.2018 kann du keine Inhalte mehr automatisiert auf dein Facebook Profil posten

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Facebook Messenger für WordPress

Nach Aussage von Facebook hat das soziale Netzwerk im 1. Quartal 2017 etwa 1,9 Milliarden Mitglieder, die die Site mindestens ein Mal pro Monat besuchen. Der Facebook Messenger wurde im Juli 2016 von einer Milliarde Menschen genutzt. Die Facebook Messenger App ist eine der am meisten heruntergeladenen und gebrauchten Apps auf iOS und Android. Facebook und der Messenger sind zentral verwaltete Systeme.

Beim Content Management System WordPress ist die Statistik nicht so klar beschreibbar, weil die Firma Automattic, die hinter WordPress steht, einfach nicht weiß, wie viele Installationen aktiv sind. Eine WordPress Installation kann über Plugins mit Automattic Kontakt aufnehmen, muss es aber nicht. Die Menge aller WordPress Sites kann man, verglichen mit dem zentralen Facebook System, durchaus als dezentral einstufen. Je nach Statistik basieren zwischen 50% und 60% aller Websites, die mithilfe eines Content Management Systems erstellt werden, auf WordPress.

Nun liegt es natürlich nahe, die Vorteile beider Systeme zu verbinden. Kreativität funktioniert besser dezentral, Kommunikation besser eher zentral.

Wenn du eine Website besuchst, nutzt du vermutlich eher selten das Kontaktformular. Aufdringliche Chatbots sind auch nicht jedermanns Sache. So grundsätzlich ist es aber für Besucher und Betreiber einer Website praktisch, einen Kommunikationskanal auf der Website anzubieten.

Das Facebook-Messenger for WordPress Plugin lässt sich im Monat Mai 2017 kostenlos beim Online Marktplatz Envato herunterladen (nach einer ebenfalls kostenlosen Registrierung). Envato hat etwa 1,5 Millionen Kunden, die etwas kaufen und bietet Millionen von digitalen Gütern zum Verkauf an.

WordPress bietet in dieser Kombination die flexible Basis Plattform, Envato die notwendigen Plugins und Facebook die Nutzer. Die Kombination ist effektiv um Kontakt zu seinen Besuchern aufzunehmen und ihnen „Dinge“ zu verkaufen oder online Support zu leisten.

Ich betreibe privat ein WordPress Blog und probiere die Kombination aus. Ich lege mir eine Facebook Page an, einen Account bei Envato, lade das Plugin und los geht’s.
Um ehrlich zu sein, ganz so schnell ging es nicht, aber nun ist alles da. Ich habe jetzt sogar eine Facebook Page.

Installation & Konfiguration

Die Installation des  Plugins in WordPress erfolgt über einen einfachen Upload der Zip-Datei des Plugins im Browser.

Facebook Messenger for WordPress - Installation
Facebook Messenger for WordPress – Installation

Nach der Aktivierung des Plugins muss die Adresse der Facebook Page in den Einstellungen festgelegt werden. Die anderen Werte können zunächst so bleiben wie sie sind.

Konfiguration
Konfiguration

Auf dem Blog erscheint nun das Facebook Messenger Icon und erlaubt es, mir eine Nachricht zu schicken.

Facebook Messenger for WordPress
Facebook Messenger for WordPress

Auf dem Telefon erscheint zusätzlich die Möglichkeit in die Messenger App zu wechseln,

Anzeige Mobile
Anzeige Mobile

Wechsel zur Messenger App
Wechsel zur Messenger App

Falls ich auf meiner WordPress Seite das Shop Plugin WooCommerce installiert hätte (habe ich momentan nicht), so könnte ich einen individuellen Button neben den Produkten und im Warenkorb platzieren. Die Farben könnte ich individualisieren und natürlich wird alles responsiv dargestellt.

Das Plugin tut, was es verspricht und eine Kontaktaufnahmen ist auf dem Desktop und auf dem Telefon sehr einfach möglich.

Fazit

Es ist interessant, die Kombination auszuprobieren. Die Integration ist gleichzeitig faszinierend und auch ein wenig erschreckend.
Faszinierend, weil es für einen Online Shop Betreiber vorteilhaft ist, nahe bei der Kundschaft zu sein.
Erschreckend, weil Facebook natürlich die kompletten Kommunikationsdaten besitzt, auswertet und zu seinem Vorteil nutzen wird.

Ich werde das Plugin bis Ende Mai aktiv auf meinem Blog lassen.
Mal sehen ob sich jemand bei mir meldet 🙂

Links


tl;dr: Kundenkommunikation in Kombination mit WordPress und dem Facebook Messenger

 

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Allgemein Infrastruktur

Ein schnelles Web mit Instant Articles, der News App und Accelerated Mobile Pages?

Natürlich mag ich elegante Websites.
Natürlich betrachte ich gern gute Fotos und interessante Videos und lese gern gute Geschichten.
Ich mag auch elegante Autos, extravagante Kunst, Drei-Sterne Restaurants und sündhaft teure Modekreationen.

Den Grossteil meiner Zeit verbringe ich jedoch damit, mein Leben möglichst effektiv zu organisieren. Beim Online Einkauf mag ich einfache, logische Checkouts und verständliche Artikelbeschreibungen, Blogeinträge möchte ich einfach nur lesen und kein Brimborium drumherum haben. Wenn ich eine Website besuche, möchte ich meist ein Bedürfnis befriedigen oder ein Problem lösen, beispielsweise die Postadresse des Seitenbetreibers finden.

All das wird heutzutage unter dem Begriff User Experience subsumiert und diese Experience ist überlebenswichtig für Website Anbieter.

Was ich auf meinem Telefon nicht lesen kann, lese ich vermutlich nie.

Auch im Jahr 2016 ist schnelles mobiles Internet kein Standard. Ausser Chatten geht in vielen Gegenden Europas nichts, weil die Internet Verbindung einfach zu langsam ist. Ein Grund, warum Messaging Apps so beliebt sind.

Nun gibt es grundsätzlich immer zwei Möglichkeiten so ein Problem zu lösen.

  1. Schnelles Internet bereit stellen
  2. Die Informationen so aufbereiten, dass sie auch mit langsamer Internetverbindung aufrufbar sind.

Als Website Betreiber, der ich ja auch bin, kann ich den ersten Punkt nicht umsetzen, also bleibt mir nur die zweite Variante. Auch dort gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Eine „echte, aufwendige, bunte, schöne, durchgestylte“ Website und eine „abgespeckte“ mobile Variante
  2. Eine Website für alle, die sich an das Ausgabegerät anpasst (responsiv)

Die zweite Variante klingt auf jeden Fall zukunftssicherer bei der Vielfalt von mobilen Endgeräten die bereits existieren oder demnächst auf den Markt kommen. Content Management Systeme wie WordPress, Joomla und Drupal sind mittlerweile standardmässig responsiv. Unglücklicherweise steigt aber damit auch die Ladezeit einer Website, also die zu übermittelnde Datenmenge und die Anzahl der zu übertragenden Dateien an.
Beide Effekte verlangsamen den Transport und Aufbau eine Website auf einem Telefon ungemein.

Um diesen Tweet lesen zu können, werden im Browser 470,7 Kilobyte übertragen (470,700 Byte). Der relevante Text besteht bei einem Tweet aus maximal 140 Zeichen. Ein Zeichen könnte man in einem Byte darstellen, maximal in 2 Bytes. Es werden also etwa 1,650 oder 3,300 mal soviele Bytes übertragen um 140 Zeichen (in 1 oder 2 Bytes) darzustellen und das in 30 Dateien!

Datenmenge eines Tweets im Browser

Nun ist das kein spezifische Problem von Twitter sondern betrifft mehr oder weniger jede Website.

Ein paar Beispiele:

Selbst die Startseite unseres Blogs bringt es auf 247,800 Byte und 23 Dateien. Ich habe aber auch gelernt, dass wir damit im Vergleich zu anderen Websites recht niedrig liegen 🙂

Werbung

Ein immer grösser werdender Posten bei den Ladezeiten sind datenintensive Werbeformen und Tracking Scripte. Ein sehr eindruckvoller Vergleich der Ladezeiten von Werbe- und redaktionellen Inhalten hat die New York Times für die USA dargestellt (The Cost of Mobile Ads on 50 News Websites – New York Times).

The Cost of Mobile Ads on 50 News Websites - New York Times

Was tun?

Was kann der Einzelne jetzt tun, um Websites schlanker zu machen? Einen besonders konsequenten Schritt geht Felix von Leitner mit seinem Angebot Fefes Blog (Wikipedia). Er verzichtet auf alles unnötige, nutzt HTML und schafft es, alle Artikel für den Monat Februar in 19,300 Bytes darzustellen – in EINER Datei!
Auch die Ladezeit dürfte der Beliebheit seines Blogs sehr gut tun.

Fefes Blog

Jetzt kommst du und sagst:

Ja, ja, das ist Fefe mit seinem Textblog, aber ich brauche doch Photos und Videos und Slider und JavaScript Frameworks …

Was machen die Grossen?

Die Diskussion entging den „üblichen Verdächtigen“ natürlich nicht und so erfand Facebook das Produkt Instant Articles, Apple die App News und Google schliesslich Accelerated Mobile Pages.

Facebook Instant Articles

Instant Articles werden sehr schnell dargestellt, sollen Verlage zu Facebook locken und Besucher auf der eigenen Plattform halten. Die Werbeeinnahmen von Facebook werden im Verhältnis 30/70 geteilt, 70% gehen an den Content Lieferanten.

Apple News App

Apple News ist eine News App, die momentan in UK, USA und Australien angeboten wird und ähnlich wie Flipboard ein persönliches Nachrichten-Feed anbietet das schnell läd und schön aussieht.

Google Accelerated Mobile Pages

Und jetzt kommt Google und erfindet mit dem Open Source Projekt AMP das einfache Web mehr oder weniger neu.

Auf Github findet sich der Quellcode (https://github.com/ampproject) und damit möchte Google das Web „great again“ machen.

Um ein Facebook Instant Article Publisher zu werden, muss man sich bewerben.
Um in die Apple News App zu kommen, muss man sich ebenfalls bewerben.

Google dagegen kommt zu dir und sieht nach, ob du eine AMP Version deiner Website betreibst. Wenn ja, wirst du in den Suchergebnissen bevorzugt behandelt. Wenn nein … tja … dann eben nicht!

Ich will nun gar nicht über Themen wie Plattformen, Marktmacht, Verlage und Inhalte sprechen, ich finde die Angebote der grossen Drei durchaus interessant. Sie erfinden gerade etwas neu, was es eigentlich schon gibt – HTML!
Sie erfinden es aber so, dass meine Bedürfnisse von oben vermutlich perfekt erfüllt werden.

AMP und deine Website

Da Facebook Instant Articles und die Apple News App für einfache Website Betreiber zunächst noch eher uninteressant sind, will ich etwas genauer auf Googles AMP Projekt eingehen. Das AMP Prinzip entspicht der bereits oben aufgeführten Problemlösung: Eine „echte, aufwendige, bunte, schöne, durchgestylte“ Website und eine „abgespeckte“ mobile Variante“, wobei die AMP Version die mobile Variante ist. Die AMP Version deiner Seite wird dem Besucher allerdings nicht automatisch auf dem Mobilgerät angezeigt, sie wird „nur“ über sogenannte AMP consumers genutzt, beispielsweise Google Search.

  • WordPress:
    WordPress bietet ein offizielles AMP Plugin an. Es erzeugt dynamisch AMP-kompatible Versionen deiner Seiten, die über den Zusatz /amp/ am Ende des URL aufrufbar sind. Wenn du beispielsweise einen WordPress Artikel mit der dem URL http://example.com/2016/02/29/mein-artikel/ hast, dann wird die AMP Version über http://example.com/2016/02/29/mein-artikel/amp/ aufgerufen. AMP-Aufrufe von Seiten (Pages) werden momentan nicht unterstützt.
  • Joomla:
    Es lässt sich momentan (29.2.2016) nichts im Extension Directory finden, aber hinter den Kulissen schreiben viele Anbieter Plugins für AMP. Hier ein Beispiel: Weeblr – Accelerated Mobile Pages for Joomla
  • Drupal:
    Das Drupal Modul AMP ist für die Drupal 8 als Beta Version verfügbar. Damit es funktioniert, wird die PHP AMP Library benötigt und das AMP Basis Theme. Die Installation beschreibt der Artikel AMPing up Drupal sehr gut. Für Drupal 7 liegt das Modul leider noch nicht vor und so muss ich unser Blog entweder auf Drupal 8 updaten oder auf das entsprechende Modul für Drupal 7 warten.

Fazit

Ein deutliches hmmmm :).
Ich weiss noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Grundsätzlich sind alle drei Ideen gut durchdacht. Sie dienen aber vermutlich hauptsächlich dazu, Besucher auf der jeweiligen Plattform zu halten, weil die dort angebotenen Inhalte so schön und schnell laden. Facebook und Google können dann prinzipiell mehr Werbung verkaufen, im Falle von Facebook werden die Erlöse mit dem Inhaltsanbieter geteilt.
Bei aller Schönheit und Schnelligkeit darf man nicht vergessen, dass HTML diese Funktionalität bereits heute sehr effizient bietet. Bei Websites wie Fefes Blog beispielsweise würde eine Technik wie AMP die Grösse nur unnötig aufblähen und die Ladezeiten vergrössern.


tl;dr: Das schnelle Web wird gerade jeweils von Facebook, Apple und Google neu erfunden.

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Shared Hosting

RSS Feeds reloaded – der Selfoss Feed Reader

RSS Feeds gibt es seit fast 20 Jahren und vermutlich sind auch Sie schon mal über den Begriff „gestolpert“. Grundsätzlich geht es darum, Inhalte ohne Layoutfunktionen automatisiert für andere Programme zur Verfügung zu stellen.

Viele Nachrichten-Websites nutzen RSS Feeds um ihre Informationen kostenlos anzubieten. Beispielsweise bietet der Tagesanzeiger verschiedene Feeds an. In der Blogosphäre sind RSS-Feeds ebenfalls weit verbreitet und auch unser Blog hat natürlich ein Feed, in dem die Artikel ohne Layout zur Verfügung gestellt werden.

Um die Informationen lesen zu können, benötigen sie einen Feed-Reader. Dem Feed-Reader teilen Sie mit, welche Feeds Sie lesen wollen. Danach werden die Informationen automatisiert abgeholt und Sie können sie in Ruhe durchblättern.

Weit verbreitet sind Dienste wie beispielsweise Feedly und Flipboard. Sie bieten eine komfortable Auswahl an Feeds und bieten Telefon-Apps an. Diese Services sind kommerziell und haben ein Geschäftsmodell. Entweder wird Ihnen Werbung angezeigt oder sie müssen für den Dienst bezahlen. Ausserdem gibt es immer einen zentralen Server auf dem Ihre Informationen liegen.

Open Source Feed Reader

Es gibt natürlich auch Open Source Alternativen zu den oben genannten Services. Ich möchte Ihnen heute am Beispiel des Projekts selfoss zeigen, wie Sie Ihren Server zum universellen News-Aggregator machen. selfoss bezeichnet sich selbst als

The new multipurpose rss reader, live stream, mashup, aggregation web application

und bietet auch Apps für iOS und Android an, die ihre Inhalte mit Ihrem Server synchronisieren. Das Programm benötigt einen LAMP Stack und ist einfach zu installieren.

Installation

Sie können das Programm in einem virtuellen Server oder in einem Unterverzeichnis eines bestehenden Servers installieren. In meinem Fall nehme ich das Unterverzeichnis /selfoss auf serverblogger.ch.

Erstellen Sie das Unterverzeichnis

sudo mkdir selfoss

Laden Sie das Quellcodepaket von der selfoss Website (http://selfoss.aditu.de/)

sudo wget http://selfoss.aditu.de/selfoss-2.12.zip

und entpacken Sie es

sudo unzip selfoss-2.12.zip

kopieren Sie die Datei default.ini in config.ini bevor Sie Änderungen an der Konfiguration vornehmen

sudo cp defaults.ini config.ini

Wenn Sie die Datenbank MySQL nutzen wollen, müssen Sie Ihre Datenbank-Parameter in der config.ini Datei eintragen.

sudo nano config.ini
...
[globals]
db_type=mysql
db_host=localhost
db_database=selfoss
db_username=selfoss
db_password=IHR_PASSWORT
db_port=3306
...

Folgende Verzeichnisse müssen mit Schreibrechten versehen werden

chmod -R 0777 data/cache
chmod -R 0777 data/favicons
chmod -R 0777 data/logs
chmod -R 0777 data/thumbnails
chmod -R 0777 data/sqlite
chmod -R 0777 public

Damit ist die Installation beendet.

Wenn Sie selfoss nun im Browser aufrufen, sollten Sie dieses Bild sehen:

Erfolgreiche Installation
Erfolgreiche Installation

Feeds hinzufügen

Damit Sie Inhalte sehen können, müssen Sie Feeds hinzufügen.

Klicken Sie auf das Icon mit der Wolke (unten links) und danach auf add source.

Hinzufügen von Feeds
Hinzufügen von Feeds

Sie finden bereits vordefinierte Feeds, die Sie einfach auswählen können (Heise, Golem, etc.) und weitere Möglichkeiten wie Facebook Pages, Twitter Timelines und Tumblr User. Wählen Sie beispielsweise den Heise Open Source Feed und klicken auf save. Sie können Feeds auch taggen und damit später die Artikel filtern.
Feed Auswahl
Feed Auswahl

Eingelesen werden die Feeds über einen Cronjob oder den Aufruf von /update, In meinem Fall also https://serverblogger.ch/selfoss/update.

Die Startseite sieht nun so aus

Heise Open Source Feed
Heise Open Source Feed

Durch einen Klick auf die Überschrift können Sie die Einträge lesen und auch wieder auf anderen sozialen Netzwerken teilen oder per E-Mail verschicken. Über die Tags filtern Sie die Einträge.

Cron Job erstellen

Damit Ihre Feeds alle 15 Minuten automatisch aktualisiert werden, müssen Sie der Crontab einen Eintrag hinzufügen.

sudo crontab -e
*/15 * * * * wget --quiet --delete-after http://serverblogger.ch/selfoss/update

Individuelle Feeds eintragen

Nicht vordefinierte Feeds tragen Sie ein, indem Sie als Typ RSS Feed wählen und im URL Feld die Feed URL eintragen.

Feed eintragen
Feed eintragen

Diesmal sollte die Aktualisierung automatisch, abhängig von Ihrem gewählten Zeitraum, erfolgen.

Mobile Apps

Für Android und iOS gibt es Apps in den entsprechenden Stores

Die Apps benötigen nur die URL zu Ihrem Feed Server und aktualisieren sich dann automatisch. Die Texte werden heruntergeladen, so dass Sie sie auch offline lesen können. Hier ein Screenshot der Android App.

Android selfoss App
Android selfoss App

Passwortschutz und weitere Konfigurationsoptionen

Sie können den Zugriff auf Ihre Feeds mit einem Passwort schützen. Die Benutzer/Passwort Kombination muss in der Datei config.ini auf Ihrem Server eingetragen werden.

[globals]
username=MEINNAME
password=MEINPASSWORT
salt=1291929_UNDNOCHMEHRZIFFERN

Twitter Feeds

Um ein Twitterfeed einzubinden, müssen Sie sich mit Ihrem Twitter Benutzerkonto im Browser einloggen und dann die URL https://apps.twitter.com/ aufrufen. Dort müssen Sie eine neue App erzeugen und den Consumer Key und den Secret key in das entsprechende Feld in selfoss eintragen.

Twitter Feeds
Twitter Feeds

Nach der Aktualisierung tauchen die Tweets dann in Ihrer Übersicht im Web und auf dem Telefon auf
Feed Timeline mit Tweets
Feed Timeline mit Tweets

Link

http://selfoss.aditu.de/


tl;dr: Hosten und synchronisieren Sie Ihre Web-, Twitter-, GitHub-, Tumblr- und Facebook Feeds doch einfach selbst mit selfoss.