Kategorien
Infrastruktur Soziale Netze Tools

Informationen und Neuigkeiten per RSS-Feed abonnieren

Wie informierst du dich eigentlich Online?
Ich meine so ganz einfache Dinge. Was passiert
… an deinem Wohnort? … in deiner Region? … deinem Land? … der Welt? … bei deinen Hobbies? … deinen Themen in der Arbeit, Schule oder Universität? … deinen Freund:innen? … den Nachbarn? … der Familie?

Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. Das gilt nicht nur für unsere Kenntnis der Gesellschaft und der Geschichte, sondern auch für unsere Kenntnis der Natur. […]
Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, daß wir diesen Quellen nicht trauen können. Wir wehren uns mit einem Manipulationsverdacht, der aber nicht zu nennenswerten Konsequenzen führt, da das den Massenmedien entnommene Wissen sich wie von selbst zu einem selbstverstärkenden Gefüge zusammenschließt.

Niklas Luhmann: „Die Realität der Massenmedien.“ 2., erweiterte Auflage, Westdeutscher Verlag, Opladen: 1996

Das Zitat ist nun 27 Jahre alt aber es begegnet mir immer wieder.

Als Antwort auf die obigen Fragen hätte ich im Jahr 1996 vermutlich geantwortet:

„Ich lese manchmal eine Tageszeitung, einigermassen regelmässig Wochen- und Monatsmagazine für Nachrichten, Beruf und Hobby, höre Radio, gucke manchmal Fernsehen und bekomme hin und wieder kleine gedruckte Zeitungen der Stadtverwaltung, Schule und Universität. Freunde, Familie und Nachbarn fanden Online im Jahr 1996 nicht so wirklich statt.
Ja, Luhmann hat recht!“

Heute ist, subjektiv gefühlt, fast alles Online möglich. Nachbarn, Freunde, die Familie, die Stadtverwaltung, die Schule, die Universität und natürlich auch „die Arbeit“ sind Online „bespiel- und abonnierbar“, man folgt sich.

Ohne eine sorgfältige Auswahl der Nachrichten steht man allerdings einer fast unendlichen Menge an Informationen gegenüber.

Die Timeline – Der Nachrichtenticker des Lebens?

Als Luhmann über die Massenmedien schrieb, gab es noch keine Chat-Apps und kein Social Media, keine Kommentare und kein Online-Feedback. Man schrieb einen Leserbrief.

Die Nachrichten selbst wurden von Nachrichtenagenturen und eigenen Auslandskorrespondenten und Fotografen gesammelt und an Zeitungsredaktionen verkauft.

Chronologisch sortierte Nachrichten kannte man damals bereits als Nachrichten-Ticker. Im Prinzip war es eine allgemeine Nachrichten-Timeline, die an eine bestimmte Agentur gebunden war.

Wer persönlich etwas veröffentlichen wollte, musste (und muss) sich mit den existierenden Medien-Plattformen arrangieren. Die Plattformen, also Zeitungs- und Fernsehredaktionen, wählten aus der Menge an Nachrichten die für ihr Publikum relevanten Nachrichten aus. Alles was nicht gedruckt oder gesendet wurde, existierte praktisch nicht. Die Inhalte, die gedruckt oder gesendet wurden, wurden nacheinander gelesen und mit Werbung angereichert. Ziel war und ist die Dauer des Nachrichtenkonsums so lange wie möglich zu gestalten. Die Zeitung konnte man durchblättern und das Fernsehprogramm war vorhersehbar. Diese Geschäftsmodelle gibt es auch heute noch und man kann die gedruckte Zeitung als Online-Abo auf einem Telefon lesen oder eben ausgedruckt und einen TV-Sender kostenpflichtig abonnieren.

Diese Art von Timeline wird von Dritten, einer Redaktion, kuratiert und man kann dem Medienangebot als ganzem „folgen“, bzw. es kostenpflichtig abonnieren.

Durch die Möglichkeit eigene Inhalte Online in Blogs oder Online-Magazinen zu veröffentlichen, gab es immer mehr Nachrichten und eine Kuratierung durch Menschen war kaum mehr möglich.

Eine mögliche Lösung des Dilemmas kam 1999 mit dem Dateiformat RSS. Anfangs war es die Abkürzung für Rich Site Summary, heute steht es für Really Simple Syndication.

Ein RSS-Channel ist eine maschinenlesbare und abonnierbare Datei. Wenn ich den Nachrichten in dieser Datei vertraue oder sogar die Ersteller persönlich kenne folge so einem Channel. Wenn neuer Inhalt vorhanden ist, wird die datei im Hintergrund automatisiert aktualisiert. Ich habe darüber das letzte mal vor sechs Jahren geschrieben und wenn ich den Artikel so lese, hat sich nicht viel an der Situation geändert (RSS – Es gibt nichts besseres!). Es gibt immer noch relativ wenige Menschen, die wissen dass es so etwas wie RSS überhaupt gibt.

Bausteine

Damit man das mal ganz praktisch sieht, hier ein paar Beispiele, wie solche RSS-Channels beispielsweise in einem WordPress Blog wie diesem aussehen. Man kann das ganz einfach mit einem RSS Block in den Text einbinden.

Die letzten Nachrichten aus diesem Blog:

Nachrichten werden durch RSS-Channels zu kleinen Häppchen, die du in einer persönlichen Timeline zusammenbauen kannst. Das Charmante daran ist die Möglichkeit auch RSS-Feeds aus kommerziellen Angebote oder aus dem Fediverse zu verwenden.

Als ich diesen Artikel schrieb, fiel mir auf, dass die Berner Zeitung und der Tagesanzeiger inhaltlich ein fast identisches RSS-Feed haben. Der Grund ist ganz einfach. Beide Zeitungen gehören einer Firma (Liste der Tamedia-Medien), nutzen die gleiche Software und bestehen scheinbar grösstenteils aus den gleichen Inhalten.

RSS Clients und Aggregatoren

Nun sind die einzelnen RSS-Channels ja schön und gut aber besser wäre eine einzige Liste.

An dieser Stelle kommen RSS Clients and RSS Aggregatoren ins Spiel. In einem RSS Aggregator werden die Feeds zusammengestellt und in einem RSS Client werden sie dargestellt.

Als Novatrend Kunde kannst du dir einfach per Klick den freien RSS Aggregator Tiny Tiny RSS (oder auch FreshRSS, SimplePie, Miniflux, u.a.) in einer Subdoman (rss.deinedomain.ch) mit unserem Tool Softaculous installieren, die gewünschten RSS Feeds eintragen und in Kategorien strukturieren. Wenn du einen interessanten Feed findest, trägst du ihn ein, uninteressante Feeds löschst du wieder.

Screenshot Tiny Tiny RSS Aggregator im Dark mode in einem Browser

Es ist oft eine Herausforderung RSS Feed überhaupt zu finden. Sie sind oft gut versteckt. Frage einfach danach, andere suchen bestimmt auch 🙂

Wenn du ein paar Feeds gefunden hast: Herzlichen Glückwunsch! Du hast gerade deine ganz persönliche Timeline erstellt!

Lesen willst du die Nachrichten natürlich auch unterwegs und daher gibt es für mobile Geräte entsprechende Apps, die die Nachrichten dann chronologisch darstellen.

Beispiel Apple iOS Client: Tiny Reader

Screenshot aus der App

Beispiel Android Client: Tiny Tiny RSS

Screenshot aus der App

Algorithmen

Professionelle Plattformen wie Facebook, Instagram, Tiktok, Twitter, Snap, YouTube, Netflix, u.a. steuern die Inhalte deiner Timelines über Algorithmen. Es wird automatisiert versucht, auf der Basis zahlreicher Datenpunkte, zu deiner Person passende Inhalte anzubieten und „unwichtige Inhalte“ zu unterdrücken.
Im günstigsten Fall wird damit versucht, deine Aufenthaltsdauer auf der jeweiligen Plattform so lange wie möglich zu gestalten um dir möglichst viele, übrigens auch personalisierte, Werbeeinblendungen zu zeigen.
Im schlechtesten Fall wirst du bewusst manipuliert. Die vorgeschlagenen Inhalte sind nicht das, was dich wirklich interessiert, sondern dass, was der Algorithmus glaubt, es interessiere dich. Beobachte das einfach mal eine Weile.

Fazit

Ja, RSS Feeds machen anfangs ein wenig Arbeit und ja, sie sind nicht so „shiny“ wie kommerzielle Apps. Wenn man es allerdings über einen längeren Zeitraum sieht, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass es für die eigene Nachrichten- Grundversorgung wirklich hilfreich ist, sich die Quellen selbst zusammenzustellen und dann chronologisch sortiert durchzusehen.

Im Tiny Tiny RSS Aggregator lassen sich übrigens beliebig viele Konten einrichten. Er muss nur einmal installiert werden und kann dann die Mitarbeiter einer ganzen Firma oder die Mitglieder eines Vereins oder einer Familie versorgen.

Wenn du bewusst Zeit auf algorithmisch gesteuerten Plattformen verbringen willst, dann ist das völlig ok 🙂 Du solltest nur hin und wieder daran denken, wieviel Zeit du dort verbringst und warum dir dieser und jener Inhalt vorgeschlagen wird.


tl;dr: RSS Feeds funktionieren auch im Jahr 2023 sehr gut

Von hagengraf

Ich erstelle bequeme und benutzerfreundliche Orte in virtuellen und physischen Umgebungen.

3 Antworten auf „Informationen und Neuigkeiten per RSS-Feed abonnieren“

Reposts

  • Hagen Graf :fv:

Erwähnungen

  • hagengraf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert