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Soziale Netze

Mastodon + Pixelfed unter iOS – die charmante Alternative zu Twitter + Instagram

Immer wenn es einen Skandal gibt oder einen Hack, erscheinen Artikel über Alternativen zu den verbreiteten sozialen Netzwerken. Die Alternativen sind meist Free and Open Source Software, interoperabel untereinander, werbefrei, dezentral und damit sogar ethisch vertretbar. Daraufhin wechseln ein paar Personen zu diesen Alternativen, kehren aber oft zähneknirschend zurück, weil … ja, warum eigentlich?

2016 erschien die Mastodon Software als werbefreie Open Source Alternative zu Twitter innerhalb des Fediverse. Fünf Jahre später tummeln sich mehr als 4,000,000 Personen im Fediverse. Der grösste Teil der Nutzer:innen hat ein Mastodon Konto und kann durch die eingebaute Interoperabilität allen Personen, die in anderen Fediverse Projekten wie Pixelfed, Pleroma, PeerTube und Hubzilla, um nur ein paar zu nennen, ein Konto haben, folgen. Auch für WordPress und Drupal gibt es entsprechende Plugins (ActivityPub), um Nutzer:innen folgen zu können.

Das kannst du dir so vorstellen, als wenn man von Twitter aus einer Instagram-, TikTok-, Facebook- oder Snapchat Nutzer:in und deren Posts in einer einzigen, werbefreien, chronologischen Timeline folgen könnte.

Ich betreibe, dank freundlicher Unterstützung seitens Novatrend, seit mittlerweile fast 3 Jahren einen Mastodon-Server und habe dort natürlich auch einen eigenen Account. Dennoch bin ich nach ein paar Wochen immer wieder bei Twitter gelandet.

Der Grund war völlig banal. Ich nutze ein Apple iOS Gerät und wenn ich einen Link teilen wollte, so konnte ich das über die Twitter App ganz einfach erledigen. Ich probierte mehrere Mastodon iOS Apps aus, aber irgendwie klappte es mit Twitter besser.

Metatext App

Vor ein paar Wochen entdeckte ich die Metatext-App im Apple App-Store und seitdem klappt das „tooten“ (Toot = Tweet, tooten = tweeten) perfekt aus dem „Teilen“-Menü.

18.3.2021 – Metatext erscheint in App-Store

Das Teilen an sich klappte technisch auch mit anderen Mastodon Apps, aber so richtig „warm“ bin ich mit keiner App geworden.

Mit der Metatext-App lassen sich mehrere Accounts verwalten und um es mal „buzzword-kompatibel“ zu sagen, die User-Experience ist wirklich sehr gut, was auch die Bewertungen im App-Store zeigen.

Bewertungen und Rezensionen der Megatext-App im Apple App-Store
Benachrichtigungen auf dem iPhone
Darstellung eines Pixelfed-Posts (die Instagram-Alternative)

Instagram / Pixelfed

Um den nächsten Punkt besser zu verstehen, komme ich kurz auf Instagram zu sprechen. Während Twitter ja noch „irgendwie“ o.k. ist, hat Instagram mich durch die viele Werbung im Januar 2021 verloren. Ich habe meinen Account gelöscht und bin auch heute noch glücklich über diese Entscheidung. Trotzdem mag ich grundsätzlich die Art und Weise, wie man auf Instagram Bilder teilen kann. Seit zwei Jahren gibt es als Instagram Alternative Pixelfed (siehe auch den Blog Post vom 12.10.2020 „Pixelfed – das „Instagram“ im Fediverse?).

Ich legte mir auf pixelfed.social ein Konto an, lud ein paar alte Instagram Bilder hoch und probierte die Sache aus. Ich hatte alle Bilder aus Instagram archiviert, konnte sie dort aber nicht importieren. Ich erfuhr zufällig, dass es in selbstgehosteten Pixelfed Instanzen möglich ist, Instagram Archive zu importieren. Gesagt, getan – hier ist mein komplettes Instagram Archiv, importiert in Pixelfed, ohne Werbung und Algorithmen.

Da das Fediverse dezentral ist und es keine Algorithmen gibt, die einem „interessante“ Accounts vorschlagen, muss man selbst auf die Suche gehen. Suche ist dabei durchaus wörtlich gemeint, denn um Accounts auf anderen Instanzen (Domains) folgen zu können, gibt man den Account-Namen in die jeweilige Suche ein. Der Aufbau ist dabei @username@domain. Das Konto der Metatext App würde in dieser Schreibweise gefunden werden. @metabolist@mastodon.social.

Suche nach @metabolist@mastodo.social der Mastodon Web-App
Suche nach @hagengraf@pixel.cocoate.com in der Mastodon Web-App
Suche nach @hagengraf@blog.novatrend.ch in der Mastodon Web-App

Das Bemerkenswerte an dieser Suche ist die Tatsache, das sie funktioniert und dabei recht schnell, über Domains hinweg, die Accounts findet.

Mein „Mastodon Hub“ im Web und in iOS

Die Screenshots der Suche sind aus der Mastodon Web-App. Ich folge meistens anderen Mastodon-Nutzer:innen, vielen Personen anderer Pixelfed-Instanzen und WordPress Blogs. Meine Mastodon Timeline ist sehr angenehm und überschaubar, aber bisher halt auf einem iOS-Gerät „nur“ im Browser in ansprechender Qualität verfügbar gewesen.

Mit der Metatext-App habe ich nun eine bessere User-Experience als mit der Twitter-App, ich kann weiterhin Fotos auf der eleganten Pixelfed Plattform posten. Das momentan entscheidende Argument für das Fediverse ist allerdings – tada – ich kann auch WordPress Blogs folgen, die das ActivityPub Plugin von Matthias Pfefferle installiert haben.

Und was ist mit Twitter?

Ich habe nach wie vor meinen Twitter-Account, poste dort aber nichts mehr direkt.

Die Idee: Alles (Texte, Bilder, Podcasts, Videos, …) zuerst auf der eigenen Seite veröffentlichen und dann „Kopien“ über die sozialen Netzwerke teilen.

https://notiz.blog/2019/09/18/eine-posse/

Die Kopie geschieht in meinem Fall automatisch über einen ebenfalls freien Cross-Posting Service namens https://moa.party.

https://moa.party – Link your Mastodon account to Twitter. No bamboozle.

Wenn mir Personen auf Twitter antworten, so kann ich das ebenfalls auf Twitter tun. Die „Haupt-Timeline“ ist mittlerweile allerdings tatsächlich in der Metatext-App auf Mastodon.

Alle Personen, die ich kenne, sind nur auf Twitter, Facebook, Instagram, etc

Das mag sein, aber wenn du keine kommerziellen Interessen verfolgst, sondern eher „tatsächlich“ am sozialen Austausch interessiert bist, dann wirst du unter 4 Millionen anderen Personen schnell ein paar „interessante Accounts“ finden. Und wenn du das Posse Prinzip verfolgst, kannst du deine Posts ja in die proprietären Netzwerke automatisiert kopieren um „den Anschluss nicht zu verlieren“.

Und wenn du dir die Zeit nimmst, und anderen Personen das Fediverse mal erklärst und auf dem PC oder Smatphone zeigst, dann wechseln bestimmt ein paar deiner Bekannten und es ergeben sich interessante Dinge 🙂

https://mastodon.social/@jzzocc/105875431508615873

Ich habe dafür keine Zeit …

Wenn ich mal in Rente bin, dann werde ich mich mit diesem ganzen Open-Source „Zeug“ beschäftigen. Im täglichen Leben und in meinem Job muss ich Produkt A, B, C nutzen, darf den Anschluss nicht verlieren und irgendwie habe ich keine Zeit für diese Dinge

gerade in einem Gespräch gehört

Ich kann das gut nachvollziehen, mir geht es ähnlich. Ich habe jedoch für mich festgestellt, dass ich mich mittlerweile lieber im Fediverse bewege als in angesagten, gewinn-orientierten Social-Apps, bei denen ich das Produkt bin. In diesem Zusammenhang noch zwei ausführliche Artikel über das Thema:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Twitter.

Fazit

Das Fediverse hat keine Milliarden-schweren Werbe-Budgets, wächst aber trotzdem seit Jahren. Um es bekannter zu machen, schreibe ich diesen Artikel (schreibe doch auch mal etwas darüber oder poste diesen und andere Artikel über das Fediverse).

Du kannst dich übrigens auf öffentlichen Instanzen im Fediverse bewegen, ohne die Software selbst hosten zu müssen – vielleicht sogar bei einem Freund oder einer Freundin :).

Wenn es dir Spass macht und/oder du Wert auf Freiheit und Unabhängigkeit legst, kannst du alle Programme selbst verwalten. Oder du machst es so wie Justin Mazzochi, der diese Metatext App entwickelt, die mir den Umstieg ins Fediverse erleichtert!

Zur Ehrenrettung anderer App-Projekte muss ich erwähnen, dass ich natürlich nicht alle ausprobiert habe und auf Android Telefonen vermutlich viel mehr Auswahl besteht (ich denke da an insbesondere an Tusky) und dass das alles ein sehr soziales und persönliches Thema ist – Social Media halt 🙂

Links


tl;dr: Das Fediverse wird nun auch auf iOS elegant und benutzerfreundlich

Von hagengraf

Ich erstelle bequeme und benutzerfreundliche Orte in virtuellen und physischen Umgebungen.

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