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Oh, WordPress hat ja ein Kommentarsystem! Wie gehe ich denn damit um?

Der heutige Beitrag soll die Kommentarfunktion von WordPress etwas näher beleuchten und ich glaube, es ist es hilfreich, zunächst ein wenig in die Vergangenheit zu schauen. Als die Content Management Systeme WordPress, Joomla und Drupal vor mehr als 15 Jahren entstanden, ermöglichten sie auch „Nicht-Experten“ Inhalte selbst zu publizieren und sehr einfach Feedback über Kommentare einzuholen. Ein “Inhalt“ bestand, wie dieser Artikel hier auch, aus einer Überschrift, einem Inhaltstext und der Möglichkeit für die Leser:innen Kommentare zu hinterlassen. Durch den einfachen Zugang zu dieser technischen Neuerung entstanden weltweit unzählige Blogs und Blog-Plattformen. Viele Personen schrieben über spezielle Themen oder ihr Hobby, es entstand auch eine neue Art von Journalismus, völlig unabhängig von etablierten Medienhäusern. Nach 15 Jahren lässt sich sagen, dass sich dieses einfache Prinzip des Publizierens in technischer Hinsicht auch in den klassischen Medien weitgehend durchgesetzt hat.

Das System WordPress ist bis heute das Mittel der Wahl, wenn du ein Blog betreiben willst. Nicht umsonst versteht sich WordPress als Nachfolger der Druckmaschine (Printing Press).

Was sich in den letzten Jahren jedoch sehr verändert hat, ist der Umgang mit den Kommentaren, also der sozialen Komponente des Publizierens.

Ein Kommentar ist ja die Reaktion einer anderen Person auf einen Inhalt, ähnlich wie ein Leserbrief. Interessant ist jedoch die Dynamik, die Kommentare und Anworten darauf, erzeugen. Solche Kommentar – Threads enthalten oft Diskussionen, Links und Ergänzungen zum Artikel, die zur eigenen Meinungsbildung sehr hilfreich sind. War es anfangs nicht ungewöhnlich unter einem Blog Beitrag, auf einer selbst gehosteten Website, hunderte Kommentare und lange Diskussionen zu einzelnen Kommentaren zu haben, so ist das heute eher selten zu beobachten.

Kommentare haben sich grösstenteils in „Soziale Medien Plattformen“ verlagert und bestehen auch mal nur aus einem „👍“, einem „❤️“ , einem „Upvote“ oder anderen Emojis 🙈. Diese Plattformen (Facebook, Twitter, Reddit, Instagram, TikTok, YouTube, um nur ein paar zu nennen) ermutigen „Content Creators“ ihre Inhalte dort zu publizieren und/oder zu verlinken. Im Falle von TikTok wird der Inhalt auch grösstenteils auf der Plattform produziert. Je niederschwelliger das Angebot, desto häufiger wird es benutzt und je zugespitzter der Inhalt, desto eher findet er Beachtung und die Nutzer:innen der Plattformen konsumieren und kommentieren ihn. Da die Plattformen werbefinanziert sind, sind Aufsehen erregende Inhalte hilfreich und notwendig für deren Geschäftsmodell. Der eigentliche Inhalt oder gar Wahrheitsgehalt spielt daher eher eine untergeordnete Rolle bei der Positionierung. Inhalte mit vielen Kommentaren erzeugen grosse Aufmerksamkeit und sind ein attraktives Umfeld für Werbekunden. Content Creators, die passende Inhalte erstellen, heissen Influencer und werden von den Plattformen selbstverständlich am Umsatz beteiligt. Junge Menschen äussern daher heute oft als Berufswunsch: Influencer!

Strukturell ist das alles unter anderem deshalb passiert, weil die geschäftlich interessanten Teile der dezentral organisierten Blogs, nämlich die Kommentare, ausgelagert und zentralisiert wurden. Durch diese Zentralisierung erreichen Inhalte, auch wenn sie ausserhalb der Plattform erstellt wurden, in kürzester Zeit maximale Aufmerksamkeit. Eine Automatisierung der Inhaltsangebote der Plattformen durch Algorithmen ist bereits erfolgt („Personen, die diesen Text, dieses Video, Bild, Lied, Produkt mögen, mögen/kaufen auch …“).

Rein monetär betrachtet, läuft das Geschäftsmodell der sozialen Plattformen für deren Eigentümer hervorragend. Mit Daten wird automatisiert Geld erzeugt.

Vom sozialen Standpunkt aus betrachtet werden die Themen Fake News, Donald Trump auf Twitter, Verschwörungstheorien, Wahlwerbung und die gezielte Beeinflussung der Menschen weltweit, beispielsweise durch die Geschäfte von Cambridge Analytica immer mehr zum Problem. Die falschen Schlussfolgerungen aus Daten bringen die Welt gerade durcheinander. Die folgende Grafik beschreibt das ganz anschaulich

https://twitter.com/trill_stephan/status/1294681925916008448

Kommentare in WordPress

So, nach dieser langen Vorrede nun endlich WordPress. Auch wenn du nur eine kleine WordPress Site hast, so wie wir hier, solltest du dir schon Gedanken machen, wie du mit den Kommentaren darauf umgehst.

Alle Kommentare deaktivieren?

WordPress wird heute oft als Content Management System für Firmen Websites eingesetzt. Die einzelnen Seiten werden mit Page Builder Plugins oder Gutenberg erstellt, die Blog Komponente wird, wenn überhaupt, eher für Ankündigungen oder Pressemeldungen genutzt. Eine Kommentarfunktion wird nicht benötigt.

In diesem Fall lassen sich die Kommentare pro Seite oder auf der gesamten Website unter Einstellungen -> Diskussionen für neue Beiträge ausschalten.

Wer ganz sicher gehen will, installiert das Disable Comments Plugin. Es ist auf mehr als einer Million WordPress Sites installiert!

WordPress Kommentar System nutzen!

Wenn du Kommentare in WordPress nutzen willst, so stehen dir auf der Einstellungen -> Diskussionen Seite zahlreiche Parameter zur Verfügung, die die Verwaltung und Organisation von Kommentaren steuern. Es geht dabei beispielsweise um die

  • Darstellung: Sollen Kommentare untereinander stehen oder, bei Kommentaren auf Kommentare verschachtelt dargestellt werden
  • Benutzer:innenInfo: Welche Informationen soll der Benutzer von sich angeben. Es geht um den Namen, die Website, die E-Mail Adresse oder dem Zwang einer Registrierung auf der Site um Kommentare schreiben zu dürfen
  • Freischaltung des Kommentars: Sollen die Kommentare sofort sichtbar sein oder zunächst durch eine Moderation laufen?
  • Avatare (Bilder): Sollen die Avatare (Bilder) der Benutzer:Innen angezeigt werden oder nicht? Wenn ja, welche?
  • Benachrichtigung: Will ich eine E-Mail als Benachrichtigung erhalten, wenn Kommentare oder Antworten zu Kommentaren erfolgen?

Das Thema ist tatsächlich sehr komplex und das Kommentarsystem von WordPress schon durchaus mächtig und gut konfigurierbar. Zahlreiche Zusatzplugins erweitern das vorhandene Kommentarsystem um weitere Features, beispielsweise

Es lohnt sich auf wordpress.org ein wenig zu forschen. Es gibt viele Plugins aber auch hier ist eine deutliche Tendenz zur Zentralisierung zu bemerken.

Plattformen nutzen

Auch WordPress ist ein wenig gespalten in Bezug auf den Umgang mit Kommentaren.

wordpress.com vs. wordpress.org

Es gibt ja das „freie“ wordpress.org als Resource für die WordPress Software und deren Erweiterungen und es gibt „den Service“ wordpress.com, der von der Firma Automattic angeboten wird. Auf wordpress.com kannst du dir kostenlos dein WordPress Blog erstellen und hosten. Finanziert wird das Hosting durch Werbeeinblendungen auf deinem Blog. Du hast weniger Konfigurationsmöglichkeiten verglichen mit einem selbst gehosteten Blog. Die Funktionen, die angeboten werden, funktionieren allerdings gut und du musst dich um nichts kümmern. Wenn du keine Werbung auf deinem Blog haben willst, oder andere Funktionen nutzen willst, musst du dafür bezahlen oder zu einen Hoster wie Novatrend umziehen (Was mich jetzt persönlich natürlich ganz besonderen freuen würde 😉).

Die Kombination beider Angebote ist durchaus einmalig und interessant. Es liegt an jedem selbst, welcher Ansatz gewählt wird. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile und sind daher auch ein permanenter Diskussionspunkt in der WordPress Community.

WordPress.com bietet beispielsweise das Plugin Jetpack an. Er verknüpft selbst gehostete Blogs mit Funktionen des wordpress.com Services. Das Plugin wird kontrovers diskutiert und Alternativen aufgezeigt (hier und hier). Hier im Novatrend Blog nutzen wir ebenfalls Jetpack und damit kommen wir wieder zu den Kommentaren. Jetpack erlaubt, neben vielen anderen Funktionen, den Benutzern:innen von WordPress.com-, Twitter-, Facebook- oder Google-Konten deren Benutzerkonto zum Kommentieren auf dem eigenen, selbst gehostete, WordPress Blog zu verwenden. Es ersetzt das WordPress-Standardkommentarformular durch ein neues Kommentarsystem, das Social Media-Anmeldeoptionen enthält. Wenn du also mit einem dieser Konten im Browser eingeloggt bist, kannst du unter diesem Beitrag sehr einfach einen Kommentar schreiben. Die Kommentare an sich verbleiben aber in der WordPress Datenbank. Jetpack lässt sich also problemlos deaktivieren und die Kommentare bleiben erhalten. Wir sind durchaus unterschiedlicher Meinung, ob das ein sinnvolles oder ein nicht so sinnvolles Feature ist.
Probiere doch einfach mal einen Kommentar hier zu schreiben und sage uns, was und wie du darüber denkst! 🤔

Andere Plattformen

Es gibt viele Plugins, die das Kommentarsystem in WordPress komplett austauschen und auslagern. Die Kommentare erscheinen dann in der entsprechenden Plattform und auf deiner Website. Sie werden jedoch nicht in jedem Fall in deiner Datenbank gespeichert, sondern oft nur auf der entsprechenden Plattform.

Einen interessanten Weg geht hier die Firma gVectors, die mit wpDiscuz ein sehr umfangreiches Kommentar Premium Plugin anbieten. Es würde hier zu weit führen, die einzelnen Features zu erläutern, so grundsätzlich scheinen die Entwickler dieses Plugins vieles richtig zu machen.

wpDiscuz Plugin

Kommentare, die nur auf anderen Plattformen erscheinen, entziehen sich meistens deiner Kontrolle und oft bemerkst du sie nicht. Im negativen Fall können sich Shitstorms aufbauen, die du hättest verhindern können, wenn du davon gewusst hättest. Im “positiven“ Fall wirst du von Besuchern „überschwemmt“ von denen du ebenfalls nichts wusstest. Beide Varianten sind nicht wirklich gut und besonders schlecht können sie sein, wenn deine Website einen geschäftlichen Hintergrund hat.

Fazit

Kommentare sind ein interessantes, soziales Phänomen. Je nach Zielgruppe und Anwendungsfall kann es sinnvoll sein, die Kommentare auf der eigenen Site zu sammeln und/oder auf externen Plattformen diskutieren zu lassen. Auf der eigenen Seite hat man eine kleinere Reichweite, aber möglicherweise die interessanteren Kommentare und die volle Kontrolle. In der Plattformökonomie sozialer Medien stellen Kommentare „nur“ für die Plattform verwert- und ausbeutbare Daten dar. Sie sind ein Rohstoff, der auf unterschiedliche Weise „veredelt“ wird!

Links


tl;dr: Oh, WordPress hat ja ein Kommentarsystem – wie gehen wir denn damit um?

Von hagengraf

Ich erstelle bequeme und benutzerfreundliche Orte in virtuellen und physischen Umgebungen.

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