Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Heute wieder ein Wunschthema. Die Kundin oder der Kunde ruft an und fragt nach einer Optimierung der Website. Es wäre schön, wenn die  Website besser auf Google gefunden werden würde. Die Website ist noch recht neu, ein oder zwei Jahre alt, und wurde mit WordPress und der Kombination Divi Theme und Page Builder erstellt. Die Site ist mehrsprachig und besteht aus etwa 50 statischen Seiten, die mit viel Sorgfalt zusammengestellt worden sind. Die WordPress Installation und alle Plugins werden regelmässig aktualisiert.  Auf Google wird die Site auch gefunden, aber meist erst auf Seite drei angezeigt.


Wie reagiert man auf so eine Anfrage? Die Antwort ist gar nicht so einfach, hängt sie doch von vielen, vielen Faktoren ab.

Der Suchalgorithmus von Google ist geheim

Eine oft vernachlässigte aber wichtige Tatsache ist, dass der Algorithmus, der bestimmt, wo ein Suchergebnis in den Google Suchergebnissen erscheint, ein Geschäftsgeheimnis der Firma Google ist. Nichtsdestotrotz ist natürlich auch Google selbst daran interessiert, dass Websites nach bestimmten Regeln erstellt werden. Daher gibt Google schon seit Jahren einen Startleitfaden zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) heraus. Alles, was strukturiert und standardisiert gebaut wird, lässt sich leicht automatisiert untersuchen und alles was automatisiert untersucht werden kann ist skalierbar. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt für Google um Kosten zu sparen.

Der Google Bot

Kein Mitarbeiter der Firma Google schaut sich die Websites innerhalb der Suchergebnisse an. Dafür gibt es viel zu viele Websites und viel zu wenige Menschen auf der Welt. Jede öffentliche Website wird irgendwann vom Google Bot entdeckt und „gelesen“.  

Googlebot ist ein Webcrawler des US-amerikanischen Unternehmens Google Inc. Das Computerprogramm lädt World-Wide-Web-Inhalte eigenständig herunter und führt diese der herstellereigenen Suchmaschine Google zu.

https://de.wikipedia.org/wiki/Googlebot

So einen Bot oder auch Webcrawler kann man sich wie einen Browser für eine Maschine vorstellen. Die einzelnen Bestandteile einer Webseite, wie HTML Code, Medien- , CSS-, JavaScript- und sonstige Dateien werden geladen und dann wird versucht, die Kerninformationen zu erfassen und bei Google zu bewerten. Der Mensch sieht die Website im Browser, der Bot sieht den Quellcode. Die nächsten beiden Screenshots verdeutlichen das.

Allein wenn man sich vorstellt, dass auf der Basis des Quellcodes eine Gewichtung der Website stattfindet, wird einem klar, wie komplex die Vorgänge dabei sein müssen.

Technik und Bedeutung

Technisch lässt sich eine Website einigermassen einfach beschreiben. Ein HTML Dokument hat eine vorgegebene Struktur. Hier ein Beispiel aus dem Jahre 2009 (Da war die Welt noch übersichtlich 🙂 ). Mit etwas Vokabelwissen versteht man durchaus, worum es im danach folgenden HTML Code geht.

  • head – die „Metadaten“
  • body – der „Körper der Seite“
  • nav – Navigation
  • section – ein Bereich 
  • article – ein zusammenhängendes Textstück
  • h2 – ein Überschrift 2. Ordnung 
  • p – ein Absatz
  • footer – die Fusszeile
<!DOCTYPE HTML>
<html>
<head>
  <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8" />
  <title>Your Website</title>
</head>
<body>
  <header>
    <nav>
      <ul>
        <li>Your menu</li>
      </ul>
    </nav>
  </header>
<section>
  <article>
    <header>
      <h2>Article title</h2>
      <p>Posted on <time datetime="2009-09-04T16:31:24+02:00">September 4th 2009</time> by <a href="#">Writer</a> - <a href="#comments">6 comments</a></p>
    </header>
    <p>Pellentesque habitant morbi tristique senectus et netus et malesuada fames ac turpis egestas.</p>
  </article>
</section>
<aside>
<h2>About section</h2>
<p>Donec eu libero sit amet quam egestas semper. Aenean ultricies mi vitae est. Mauris placerat eleifend leo.</p>
</aside>
<footer>
  <p>Copyright 2009 Your name</p>
</footer>
</body>
</html>

Diese Bedeutung bezieht sich aber rein auf die technische Struktur. Da viele Websites selbst diesen „einfachen“ Aufbau nicht „korrekt“ benutzen interpretieren die Browser (und Bots) viel. Sie verbessern auch Fehler, wenn sie sie bemerken. Sie lassen aber auch Dinge oft weg, die sie nicht verstehen.

Im günstigsten Fall stehen am Ende einer automatischen Untersuchung einer Website messbare Erkenntnisse über die Grösse der Seite und ihrer Elemente (Bilder), die Ladezeit, die Antwortzeit des Servers bei dem die Website gehostet wird, dessen IP-Adresse und viele weitere, eher einfach messbare Details.

Ob der eigentliche Text innerhalb der <p> Tags nun literarisch wertvoll, Satire, Lüge oder ein supertolles Angebot ist, ist dabei schwer zu ermitteln. Hatte ich erwähnt, dass es auf diesem Planeten viele verschiedene Sprachen gibt und das Bilder oft viel mehr als Worte sagen? Und dass es seit ein paar Jahren auch Videos und Podcasts gibt, die nicht nach obigen regeln strukturiert sind?

Auch wenn es heute künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und automatische Gesichtserkennung gibt, so sind Maschinen doch noch ziemlich weit davon entfernt, ernsthafte Analysen über den semantischen Inhalt einer Website zu geben. Denke einfach mal an umstrittene Themen wie Migration, Steuern, Religion, Politik und Satire.

In dem Zusammenhang möchte ich auch an die Hommingberger Gepardenforelle erinnern, die vor 13 Jahren das erste Mal durch das World Wide Web schwamm. Ab dem 25. April 2005 hatte die Hommingberger Gepardenforelle mehr Treffer als die Suchwörter Forelle (520.000 Treffer bei Google) oder Gepard  (322.000 Treffer).

Manchmal sind die Fakten auch kompliziert. Wusstest du beispielsweise, dass Fischstäbchen aus Seelachs bestehen, ein Fisch namens „Seelachs“ aber nicht existiert?

Der Name „Seelachs“ ist (ebenso wie „Alaska-Seelachs“) eine Erfindung der Lebensmittelindustrie und beruht auf der (aus der Zeit vor Einführung der Lachszucht stammenden) Verwendung des Fleisches als rot eingefärbter „Lachsersatz“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Köhler_(Fisch)

Das gemeine Fischstäbchen besteht aus dem Fleisch des „Köhlers“.

Solche Dinge sind natürlich erklärbar, aber es ist und bleibt schwer, so etwas automatisch zu machen. Der Seelachs ist einfach ein verdammt guter Hack der Lebensmittelindustrie. Die sind wirklich kreativ und machen das auch mit anderen Produkten. 

Hatte ich schon erwähnt, dass Werbung manchmal nicht „ehrlich“ gemeint ist, also zumindest nicht so ganz ehrlich? Das Werbung die Konsumenten in eine bestimmte Richtung lenken möchte? Kaufen … und so …!

Und in dieser Mixtur aus Technik und Bedeutung soll der „arme“ Google Bot etwas einordnen?

Content Marketing

Damit so ein Bot ein wenig Orientierung erhält, erfand man Content Marketing. 

Content-Marketing ist eine Marketing-Technik, die mit informierenden, beratenden und unterhaltenden Inhalten die Zielgruppe ansprechen soll, um sie vom eigenen Unternehmen und seinem Leistungsangebot oder einer eigenen Marke zu überzeugen und sie als Kunden zu gewinnen oder zu halten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Content-Marketing

Dieser Artikel hier ist bestes Content Marketing. Die Firma Novatrend bietet dir hier informierenden, beratenden und unterhaltenden Content und will dich so ganz nebenbei davon überzeugen, dass ihre Services, nämlich das Hosting von Websites auch ganz gut sind. Und natürlich würden wir dich gern als Kunden dieser wunderbaren Firma begrüssen. Unser Angebot ist nämlich wirklich gut … und schnell … und überhaupt 🙂
(Jetzt würde mich noch interessieren, wie der Goggle Bot den letzten Absatz interpretiert.)  

Content Marketing kann man nämlich „eher manuell, aufwendig und fair und ehrlich“ betreiben, so wie wir das hier seit ein paar Jahren machen (#selbstaufdieschulterklopf), oder ebenfalls ein wenig „automatisierter“.

Was der Google Bot kann, können wir schon lange, dachte sich die Firma Yoast und baute einen Service um Inhalte zu optimieren. Ich habe schon mal darüber geschrieben (Yoast SEO Plugin für WordPress – mehr als eine Million aktive Installationen!). Da werden Keywords vorgeschlagen und Metadaten ergänzt. Diese Informationen sind übrigens extrem wichtig, daher auch der Erfolg des Yoast SEO Plugins. Anständige Metadaten erklären dem Bot worum es überhaupt geht. Und Yoast macht das auch wirklich gut!

Im Zusammenhang mit Metadaten gibt es auch dieses denkwürdige Zitat. 

„Wir töten auf Basis von Metadaten“ 

Ehemaliger NSA- und CIA-Chef Michael Hayden 

Es geht bei automatisierten Prozessen oft nicht um den eigentlichen Inhalt, sondern die beschreibenden Metadaten. Diese Metadaten sind heute immer noch oft das Einzige was überhaupt maschinell „bewertbar“ ist. 

Worauf ich hinaus will, ist das Verhältnis zwischen den Akteuren, die Inhalte/Daten erstellen, den Akteuren, die diese Inhalte/Daten bewerten/empfehlen/interpretieren sollen und letztlich den Akteuren, die auf der Basis dieser Inhalte/Daten etwas tun sollen. Für die letzte Gruppe gibt es heutzutage den Call to Action Button, damit man weiss, wo man drücken soll.

Auch wenn es sich beinahe so anhört, es ist gar nicht zynisch gemeint.

Es hilft nur, sich diese Zusammenhänge hin und wieder mal klar zu machen.

Aufmerksamkeitsökonomie

Es ist und war zu allen Zeiten schwer eine Geschichte zu erzählen oder einen Text zu schreiben und damit Aufmerksamkeit zu erregen. Heute gibt es eine ganze Industrie, die sich damit beschäftigt, Aufmerksamkeit erregen zu lassen.

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit, auch als Aufmerksamkeitsökonomie bezeichnet, ist ein Konzept der Informationsökonomie, das die Aufmerksamkeit von Menschen als knappes Gut betrachtet, und ökonomische Theorien zur Erklärung von menschlichen Verhaltensweisen und Thesen der Informationsökonomie verwendet. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Ökonomie_der_Aufmerksamkeit

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Instagram ist schon viel weiter bei der Optimierung. Es geht nicht mehr um die textuelle Suche oder gar Bedeutung, wie noch bei Twitter. Es geht ganz klar um Einfluss und damit Deutungshoheit. Sag mir, wieviel Follower/Zuschauer/Fans/Freunde du hast und ich sage dir wie gross dein Einfluss ist.  

Twitter

Die meisten Follower auf Twitter haben diese fünf Akteure hier 

  1. KATY PERRY. @katyperry 106 Millionen Follower
  2. Justin Bieber. @justinbieber 104 Millionen Follower   
  3. Barack Obama. @BarackObama 102 Millionen Follower
  4. Rihanna. @rihanna 88 Millionen Follower
  5. Taylor Swift. @taylorswift13 83 Millionen Follower

Donald Trump (@realDonaldTrump) sieht da mit seinen 55 Millionen Followern eher schwach aus, und der ist immerhin der Präsident eines durchaus wichtigen Landes. Twitter (@Twitter) als Betreiber der Plattform kommt ebenfalls auf 55 Millionen Follower.

Instagram

Auf Instagram wird klarer, wohin Aufmerksamkeitsökonomie führt. 

  1. @instagram Instagram 261 Millionen Follower
  2. @cristiano Cristiano Ronaldo 145 Millionen Follower
  3. @selenagomez Selena Gomez 144  Millionen Follower
  4. @arianagrande Ariana Grande 132  Millionen Follower
  5. @kimkardashian Kim Kardashian 120  Millionen Follower

In diesem Zusammenhang ist auch der Satz „The medium is the message“ hilfreich. Donald Trump (@realdonaldtrump) hat auf Instagram gerade mal 10 Millionen Follower und findet damit eigentlich nicht wirklich statt.

Wie komme ich denn nun auf Seite eins bei Google?

Auf Seite eins bei Google kommst du mit viel Geld, einer echt innovativen Idee und/oder viel Einfluss. Ein Autohaus oder ein Versicherungsbüro wird das mit ganz viel Optimierung genau solange schaffen, solange optimiert wird.


Aber es lässt sich natürlich trotzdem etwas machen … hört hört 🙂

1. Technische Möglichkeiten

Die Website sollte …

  • schnell laden (schneller als andere).
  • einfach strukturiert sein (überschaubarer als andere).
  • klare und einfache Anweisungen vermitteln, wenn man bestimmte Benutzerreaktionen erreichen will. 
  • standardkonform sein (HTML 5).
  • auf allen erdenklichen Endgeräten „ansprechend“ aussehen.
  • regelmässig etwas Neues bieten.

Auch wenn diese Grafik sehr alt ist, so ist sie doch nach wie vor aktuell

 2. Vertrauen erzeugen

Vertrauen ist lebensnotwendig um die Komplexität der Welt um dich herum  zu ertragen. Du weisst nicht, wie ein Flugzeug fliegt, ein Atomkraftwerk oder das Schweizer Bankwesen funktionieren, aber du hast ein gewisses Vertrauen in „den natürlichen Lauf der Dinge“. So ähnlich ist das auch mit deiner Website. Wenn alle Inhalte der Seite irgendwie „harmonisch“ miteinander verbunden sind, dann ist das schon ein grosser Schritt in Richtung Vertrauen. 

http://www.naturkinder-comics.de/203.html

3. Einfluss haben oder kaufen

An dieser Stelle wird es wichtig, zu definieren, was du mit deiner Website und mit welchen Ressourcen überhaupt erreichen willst. Denn um zu erreichen, was du erreichen willst, benötigst du natürlich einen Plan (und ein Budget).  Auf der einen Seite muss irgendetwas besonders gut sein, an deiner Website, deinem Service, deinem Produkt, dir als Mensch oder Firma. Menschen und andere Firmen müssen interessiert sein, wenn du etwas sagst/schreibst/sprichst. Auf der anderen Seite musst du auch zur Kenntnis nehmen, dass das nun mal oft genau nicht so ist, wenn du eine ganz normale Firma bist.

Wenn du dich mal an deine Schulzeit erinnerst, dann war da immer der Junge oder das Mädchen, das jeder bei einer Gruppenarbeit (oder beim Sport) in der Gruppe dabei haben wollte. Die waren gewissermassen automatisch auf der ersten Seite bei Google. Und dann gab es die anderen gefühlt 95% Mitschüler, die immer überlegt haben, was an diesen beliebten Leuten denn bloss so besonders ist. Jeder hat in dieser Zeit Einfluss über subtile Verhaltensweisen „gekauft“ oder „verkauft“. Natürlich musste man mal von irgendjemandem die Hausaufgaben abschreiben, weil man selbst keine Zeit hatte. Und natürlich musste man manchmal, aus verschiedensten Gründen, jemanden mit zu einer Party mitnehmen obwohl man das eigentlich nicht wollte. Du weisst vermutlich worauf ich hinaus will – Geschwister kennen sowas auch gut.

Frag‘ doch einfach mal Katy Perry, Rihanna oder Justin Bieber, ob sie dir etwas von ihrem Einfluss abgeben und dich mal auf eine Party mitnehmen oder deinen Service empfehlen. Das ist so ähnlich wie bei Google. Du musst Google nur beeindrucken oder genug bezahlen, dann setzen sie deinen Namen auf Seite eins.

Google Ads (vormals Adwords; Abkürzung Englisch „adverts“, Anzeigen, Werbungen) ist ein Werbesystem des US-amerikanischen Unternehmens Google LLC. Werbetreibende können hiermit Anzeigen schalten, die sich vor allem an den Suchergebnissen bei Nutzung der unternehmenseigenen Dienste orientieren. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Ads

Fazit

Jeder kann es auf die Seite 1 schaffen. Mit Wissen, Kreativität und Geld!


tl;dr: Ein paar Gedanken zur Suchmaschinenoptimierung

Autor: hagengraf

consultant, author, trainer, solution finder, web architect, developer, open source lover, visionary, orator, the good old webmaster. Able to simplify!

2 Gedanken zu „Suchmaschinenoptimierung (SEO)“

  1. Ein Problem dass ich immer wieder sehe – auch (größere) Agenturen machen oft diesen Fehler – ist, dass eine Website rund um das Design gebaut wird. Es wird also darauf geachtet eine schöne Website zu bauen, ohne sich aber GENAU zu überlegen, welche Inhalte (später) auf die Website kommen und wie diese im Detail dargestellt werden sollen.

    Da wird z.b. zwar ein Blog mit eingebaut, man macht sich aber keine Gedanken welche Inhaltselemente genau für die Artikel benötigt werden? Eher textlastig oder mit vielen Bildern? Lange oder kurze Teaser?

    Muss man da dann nachträglich als Suchmaschinenoptimierer eingreifen dann ergeben sich oft Konflikte mit dem Kunden („die Homepage war schon so teuer, warum müssen wir das jetzt wieder umbauen?“) bzw. mit der Agentur die die Seite erstellt, da diese auf ihrem Layout beharrt und sich oft dann dagegen wehrt, da etwas zu ändern.

    Die technische Suchmaschinenoptimierung ist meiner Meinung nach oft dann nicht mehr das große Problem, eher dann wieder beim Erstellen zusätzlicher Webtexte. Die Kunden verstehen dann oft nicht warum man da (viele) weitere Texte und Blogartikel benötigt, meiner Erfahrung nach muss man als Suchmaschinenoptimierer sehr viel Aufklärungsarbeit leisten.

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